Monteur-Alltag

Exklusive Waschtisch-Anlage

Deutschland. Morgens um halb acht. Durch die Auftragszettel an der Pinnwand kann ich den Verlauf des heutigen Tages erahnen.

Eine hochwertige Waschtisch-Anlage ist kein Nebenbei-Geschäft für den Betrieb. So etwas erfordert erhöhte Aufmerksamkeit! (Bild: thinkstock)

Eine hochwertige Waschtisch-Anlage ist kein Nebenbei-Geschäft für den Betrieb. So etwas erfordert erhöhte Aufmerksamkeit!
(Bild: thinkstock)

„Restarbeiten der Fertiginstallation bei Kunde XY, Material wird angeliefert, Termin 8 Uhr. Die Baustelle kenn ich nicht. Die Rohmontage hat jemand anderes gemacht. Sicherheitshalber frag ich im Büro nach, ob das Material wirklich kommt. „Ja. Erste Lieferung“. Ok.

Hin zum Kunden.

Die, total begeistert. Es war wirklich die erste Lieferung um 6:30 Uhr. Alles Material liegt konsequent im Flur und Treppenhaus gestapelt. Manche Großhändler meinen sogar das was Sie sagen. Verständlicherweise ist der Kunde, auf dem Weg zu seinem neuen Bad, etwas erregt. Super. Das fängt ja prima an. Das Material wird raufgeschafft und ausgepackt. Und siehe da. Ein Möbelwaschtisch 1,40 Meter breit mit Unterschrank, sehr hübsch. Soll montiert werden an eine Vorwandinstallation, nach Absprache mit dem Kunden.

Zwei mit Übergröße

Das Kundenehepaar ist sehr groß. Sie erinnern daher sofort daran, dass das provisorische Waschbecken wäre so niedrig montiert wurde. Ich messe nach und siehe da, nur 78 Zentimeter bis Oberkante Becken. So groß kann der Möbelwaschtisch gar nicht sein, dass die für die beiden Riesen geplante Oberkante von 90 cm erreicht wird. Was nun? Die vorhandenen Befestigungen kann ich nicht nutzen sie sind viel zu tief. Und durch die Konstruktion des Unterbaus der Vorwandinstallation kann ich nachträglich die vorhandenen Befestigungspunkte nicht versetzen. Bevor ich also irgendeinen Handschlag mache, kann ich erstmal losgurken und Befestigungsmaterial holen. Ich werde mal nachfragen, was der Fachhandel überhaupt so anbietet.

Bei notwendigen Nachbesserungen an einer Waschtisch-Befestigung muss man die Unterkonstruktion irgendwie erahnen

Bei notwendigen Nachbesserungen an einer Waschtisch-Befestigung muss man die Unterkonstruktion irgendwie erahnen

Mal eben machen

Mal eben geht das eben nicht, so einen schweren Waschtisch mit Unterschrank an eine Vorwandinstallation zu befestigen. Wäre die fest mit der Unterkonstruktion montierte Befestigung, an der richtigen Stelle so wäre die Montage überhaupt kein Problem gewesen. Konsollasten bis 150 Kilogramm sind mit den normalen Befestigungen zu erreichen. Aber hier stellt sich die Frage, ob an der Stelle, an der die Befestigung sitzen müsste, überhaupt Platz ist eine Hohlraumbefestigung mit Kippdübel zu montieren. Je nach Anbieter des Vorwandsystems sind womöglich Quer- oder Längstreben im Weg.

Systemunterschiede

Beim System Gis der Fa. Geberit beispielsweise sind die Standard-Haltepunkte des Waschbeckens (Mitte-Mitte 28 cm) genau im Bereich der Längsstreben. Eventuell könnte man hier, mit etwas Geschick und entsprechendem Zeitaufwand, die alte Befestigung lösen, den Bügel rausnehmen und an der richtigen Stelle setzen. Ansonsten helfen nur das Anbohren der Profile und eine Montage mittels Stockschraube. Dabei sollte man die Hoffnung nicht verlieren, das Profil richtig zu treffen und die Stabilität nicht zu zerstören. Beim System Duofix von Geberit geht das nicht, weil die Befestigung an einer Querstrebe montiert ist. Dafür ist hier aber dann Platz für einen Kippdübel.

Probleme lösen

In unserem Fall habe ich vorsichtig die Fliese und die dahinterliegende Rigipsplatte durchbohrt (damit kein Material auf der Rückseite ausbricht und der Dübel genug Angriffsfläche zum Greifen hat). Schwerlastkippdübel rein und gut. Die Befestigung des Unterschrankes musste ähnlich ausgeführt werden. Sicherheitshalber noch etwas PU-Kleber rein, weil die Bohrlöcher etwas größer als die Schrauben sind. Gerade der Unterschrank zieht doch etwas nach unten und braucht das zu Fixierung der richtigen Position. Zum Abschluss kommt eine ordentliche Silikonfuge an den Waschtisch und es hält. Zeitaufwand inclusive des Holens von Material fast fünf Stunden. Im Vergleich dazu wäre die Montage an die ordentlich und maßgerecht ausgeführte Befestigung in der Hälfte der Zeit zu schaffen gewesen. Dementsprechend verschieben sich alle Termine um den Mehraufwand. Das Ganze hätte sich vermeiden lassen, wenn der Monteur, der die Rohmontage durchgeführt hat, sich einfach mal die Maßblätter zur Hand genommen und gemessen hätte. Der Zollstock ist doch am Mann (an Frau)!? Die Maßblätter sollten gerade in einem Badezimmer für ca. 30.000,- € immer dabei sein und auch später zur Dokumentation aufgehoben werden. Alle geplanten und vor Ort abgesprochenen Details werden so festgehalten. So können auftretende Streitigkeiten schnell geklärt werden. Und es gibt kein Theater mehr mit der Toilettenhöhe oder weil der Kunde sich nach dem Fliesen ein anderes WT-Modell ausgesucht hat. Einfach kann doch jeder. Aber Waschtisch-Anlagen für fast 2000,- € sollten perfekt ausgeführt werden. Gerade wenn man nicht am Bestand rum fingert sondern alles von Grund auf erneuert.

Stefan Müller aus Hattingen besucht zurzeit die Meisterschule der Handwerkskammer Dortmund und ist engagierter Leser von Fachzeitschriften wie der SBZ und SBZ Monteur

Stefan Müller aus Hattingen schreibt für den SBZ-Monteur

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