Meldungen aus der SHK-Szene

Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Rutschsicherheitsklassen und Zertifizierungen bringen in der Praxis nicht das, was sie versprechen

Schlittschuhbahn in der Dusche

Ob Fliesen oder Platten, ob Bade- oder Duschwannen, ob im Sanitärbereich oder auf Außentreppen: Wenn Oberflächen nass werden, bergen sie ein Risiko: Ausrutschen. Daher gibt es hierzulande verschiedene Rutschsicherheitsklassen, die den Verbrauchern eine Garantie geben sollen. Doch die Erfahrung zeigt: Selbst wenn die vorgeschriebene Rutschsicherheitsklassen eingehalten werden, sind sie in der Praxis nicht effektiv. Sturzunfälle, Reklamationen und Klagen häufen sich. Woher kommt diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

Wenn Fliesen nass werden, dann halten die vom TÜV ausgegebenen Rutschsicherheitsklassen oft nicht, was sie versprechen. Bild: SBZ-Online

In Europa und insbesondere in Deutschland findet die Festlegung der Rutschhemmungsklasse eines Produkts über eine TÜV-Prüfung statt. Das Verfahren sieht vor, dass ein TÜV-Mitarbeiter auf einer Rampe steht, auf der das zu testende Produkt angebracht ist. Anschließend wird der Neigungswinkel schrittweise erhöht. Der Moment, an dem die Person herunter rutscht, bestimmt die Rutschsicherheitsklasse. So existieren die Barfußklassen A, B und C (DIN-Norm 51097) sowie die bekannteren R-Klassen R9 bis R13 (DIN-Norm 51130). Hierbei wird die Oberfläche mit Schuhen begangen. Auch Fliesen tragen oft dieses Siegel. Sie werden dann in trockenem Zustand getestet. Eine  Klassifizierung für Nassbereiche gibt es dabei nicht. „Das Testergebnis ist sehr variabel, denn je nach Person, Alter, Körpergewicht, Verfassung und Tagesform verändert sich die Ausgangslage und am Ende auch die Aussage. So passiert es, dass auch Produkte, die tatsächlich nicht rutschsicher sind, gute Prüfungsergebnisse bekommen“, erklärt Jelmer Stellingwerf, bei der GriP Safety Coatings AG zuständig für Industriekunden. „Da bleibt vieles dem Zufall überlassen.“ Sogar Zertifizierungen von Produkten, die mitunter ausschließlich bei den Herstellern vorgenommen und von keinem unabhängigen Institut geprüft werden, sind immer noch geläufige Praxis.

Statischer Test anstatt Interpretationsspielraum

Daher hat sich das Schweizer Unternehmer auf den so genannten Pendulum Test (Norm BS7976) fokussiert. Damit werden Produkte untersucht und in Klassen zwischen High Slip Potential und Low Slip Potential eingeteilt. Der Unterschied zur TÜV-Prüfung liegt darin begründet, dass es sich um einen statischen Test handelt, bei dem in einer Prüfeinrichtung der Reibungskoeffizient gemessen wird. Ein beweglicher Schlitten auf Silikonbasis simuliert eine Barfußsituation auf der getesteten Oberfläche. Mehr Maschine, weniger Mensch: Die im Labor erzeugten Ergebnisse sind konstant und nachweisbar, Abweichungen oder Interpretationsspielräume gibt es nicht. Der ermittelte Durchschnittswert gibt verlässlich Auskunft über die Rutschsicherheit. Da es nachvollziehbare Ergebnisse liefert, ist es das einzige derzeit vorhandene effektive Beweisverfahren zur Ermittlung der Rutschsicherheit. Die international aufgestellte Hotelkette Hilton Group beispielsweise akzeptiert nur noch den Einbau von Produkten, die ein optimales Pendulum Testergebnis vorweisen. Der Reibungskoeffizient-Test gilt inzwischen als britischer Standard. Denn gerade im Hotelbereich birgt es eine große Gefahr, wenn Gäste in der Badewanne duschen und dafür ein- und aussteigen oder in der Duschwanne ausrutschen.

Vermeintliche Sicherheit eingekauft

Doch auch im Privatbereich sind immer mehr viele Verbraucher verstimmt, die sich vermeintliche Sicherheit eingekauft haben – und die Produkte im Alltag ihr Versprechen dann nicht halten. Mit dieser Klientel hat vor allem Dieter Stelker zu tun, der im Auftrag der Firma GriP Safety Coatings AG nachträgliche Antirutschbeschichtungen verbaut. „Die Menschen ärgern sich zu Recht, wenn ihnen teure Produkte als rutschfest verkauft wurden, die dann lebensgefährlich sind.“ Immer wieder trifft er auf Zertifizierung ohne Funktion und ohne Zweck. Aus Gesprächen weiß er, dass der Handel um die Problematik zunehmend weiß – gerade auch dort, wo Duschen komplett mit großflächigen Fliesen belegt worden sind. Stelker: „Früher arbeiteten die Fliesenleger noch viel mit Mosaik, durch die Fugen wurde noch eine gewisse Rutschfestigkeit erreicht. Heute haben wir eine echte Schlittschuhbahn in der Dusche – auch dann, wenn die Produktbeschreibung etwas ganz anderes versprochen hat.“

„Jetzt braucht es Aufklärung“

Kommentar von Thilo Bräuninger, Geschäftsführer der GriP Safety Coatings AG.

Die Kundenreklamationen häufen sich: Viele Leute rutschen auf Produkten aus, die zwar zu Werbezwecken als rutschsicher tituliert wurden, in der Realität dann aber doch nicht sicher sind. Es passieren zahlreiche Unfälle, weil die ausgelieferten Produkte nicht halten, was versprochen wurde. Das gilt bei Dusch- und Badewannen und das stellen wir auch bei Fliesen und Platten sowohl im Innen- als auch Außenbereich fest. Daher bekommen wir derzeit viele Anfragen, um eingebaute Sanitäranlagen nachträglich rutschfest zu machen. Und es stapeln sich die Aufträge, bei denen wir die Oberflächenbeschichtung auch bei Fliesen anbringen sollen. Größtenteils handelt es sich um  gerade neu eingebaute Ware – in gutem Glauben eingekauft und verlegt, weil die höchste Rutschsicherheitsklasse angepriesen wurde.

Bauherren und Gewerke verlassen sich darauf, dass die Produkte, die sie verwenden, die gesetzlich geforderte Rutschfestigkeit aufweisen. Doch was ist ein TÜV-Siegel wert und welche Aussagekraft haben unsere bisherigen Rutschsicherheitsklassen, wenn bereits der Test ungenügend und das Ergebnis fehlerhaft ist? Die Rutschsicherheitsklassen und deren Prüfungen sind Augenwischerei und halten keiner praktischen oder wissenschaftlichen Untersuchung stand. Die beim Einbau geltenden DIN-Normen, auf die sich später dann auch die Rechtsprechung beruft – zum Beispiel bei Rutschunfällen, die vor Gericht landen – haben nichts mit der Realität zu tun.

Die Rutschsicherheitsklassen haben keine effektive Wirkung, die Kunden werden mit einer vermeintlichen Sicherheit getäuscht. Das Problem zeigt sich erst beim Einsatz des Produkts im Alltag. Wer also beim Einkauf nach einem Antirutsch-Produkt fragt, der sollte sehr genau hin sehen und sich von DIN-Normen und Zertifikaten nicht täuschen lassen. Es braucht jetzt echte Aufklärung, diese Problematik darf nicht länger ignoriert werden.

Quelle: Dr. Simone Richter / Titania Kommunikation


Umfrage: Heizen im Herbst – Verbraucher haben Wissenslücken beim Klimaschutz

62 Prozent der deutschen Verbraucher fordern, das Klima über CO2-Einsparungen zu schützen. Allerdings gibt es grundlegende Wissenslücken, wie sich die klassischen fossilen Brennstoffe ersetzen lassen. Rund 85 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs eines privaten Haushalts gehen auf das Konto von Wärme- und Warmwasserproduktion. Nur jedem Zweiten ist aber bekannt, dass hier selbst erzeugter Sonnenstrom zum Antrieb moderner Heizanlagen – Wärmepumpen – eingesetzt werden kann. Das sind Ergebnisse der Studie „Energie-Trendmonitor 2018“ im Auftrag von Stiebel Eltron, für die 1.000 Bundesbürger bevölkerungsrepräsentativ befragt wurden

Energie-Trendmonitor 2018 – Was die Verbraucher denken. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/62786  Quelle: obs/STIEBEL ELTRON/Stiebel Eltron

Das Prinzip der umweltfreundlichen Heizung: Die Wärmepumpe entzieht dem Erdreich oder der Umgebungsluft Wärme und bringt diese auch im Herbst und Winter auf das notwendige Temperaturniveau. Dafür wird weder Öl noch Gas, aber ein kleiner Teil Strom als Antriebsenergie benötigt – der von der Photovoltaikanlage kommen kann. „Die Wärmepumpe arbeitet vor Ort ohnehin komplett ohne CO2- Emissionen. Kommt die Antriebsenergie vom eigenen Dach, ist der Umweltnutzen noch viel höher“, sagt Dr. Nicholas Matten, Geschäftsführer von Stiebel Eltron. Aus einer Kilowattstunde Strom werden je nach Wärmepumpenart etwa drei bis fünf Kilowattstunden Heizenergie erzeugt. Darüber hinaus ist die Wärmepumpe ideal dafür geeignet, den wirtschaftlich sinnvollen Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms deutlich zu erhöhen. Diese Verbindung entlastet die Stromrechnung der Haushalte und schont das Klima.

Förderung für Bau- und Sanierungsvorhaben

Deutschland verfolgt ehrgeizige Ziele: Bis 2050 soll der Gebäudesektor klimaneutral werden. „Damit die Verbraucher an einem Strang ziehen, müssen die Anreize zur Umstellung auf Erneuerbare Energien besser genutzt und ausgebaut werden“, so Dr. Matten. Immerhin: Über das Marktanreizprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien des Bundesumweltministeriums (BMU) wird der Einbau oder der Wechsel hin zu einer Wärmepumpe unterstützt. Einen Fördermittelrechner finden Interessierte hier.

, , , , , , , , ,

Noch keine Kommentare vorhanden.

Schreibe einen Kommentar

*