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Die wichtigsten Kriterien für Luft/Wasser-Wärmepumpen

Wer heute bei der Auswahl und Beurteilung einer Luft/Wasser-Wärmepumpe noch auf die Faktoren setzt, die vor zehn Jahren Gültigkeit hatten, empfiehlt in der Praxis oft nicht die optimale Technologie. Das hat im ersten Teil unserer Serie vor allen Dingen die Problematik rund um die Aufstellung von Luft/Wasser-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R290 gezeigt. Mit dem dritten Kriterium Schallemissionen betrachten wir ebenfalls eines der entscheidenden Kriterien.

KRITERIUM 3: SCHALLEMISSIONEN

Wie bereits im ersten Teil erwähnt, bilden die Schallemissionen weiterhin eines der wesentlichen Ausschlusskriterien bei der Auswahl und Installation einer Wärmepumpe. Das größte Problem für das Fachhandwerk bei diesem Kriterium? Die Vergleichbarkeit von Herstellerangaben ist nur bedingt möglich. Der Grund dafür liegt in Angaben nach unterschiedlichen Maßgaben, Regeln und Bewertungsverfahren. Zwar bieten die Angaben des ErP-Schallpegels eine gewisse Vergleichbarkeit, doch beachtet werden sollte in erster Linie der Max-Schallpegel im Tag- und im Nachtbetrieb im Schallrechner des Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Wichtig für Fachhandwerker zu wissen: Genau diese beiden Messpunkte und Angaben haben nach TA Lärm Aussagekraft bei eventuellen Rechtsstreitigkeiten.

Doch warum sollten gerade die Werte des Max-Schallpegels laut BWP berücksichtigt werden statt der ErP-Daten? Noch vor einigen Jahren unterschieden sich beide Angaben nur um maximal 1 oder 2 dB(A). Mittlerweile können jedoch rund 10 dB(A) zwischen den Werten liegen. Der Grund dafür liegt – wie so oft bei Messungen zu den Schallemissionen – in den Berechnungs-Grundlagen. Denn die ErP-Schallwertmessung beruht auf alten Wärmepumpen mit On-/Off-Verdichtern. Dadurch waren die zugrunde liegenden Werte anders als bei den heutigen Inverter-Verdichtern quasi egal – die Wärmepumpe lief entweder gar nicht oder mit voller Leistung.

Und an welchen konkreten Maßstäben können sich Fachhandwerker in Zahlen orientieren? Bei wieviel dB(A) ist eine Wärmepumpe nun wirklich leise? Ein kleiner Anhaltspunkt: 27,5 dB(A) in drei Metern Abstand sollte eine Wärmepumpe im leistungsreduzierten Nachtmodus mittlerweile erreichen können. Besonders wichtig ist dabei auch, dass keine Tonalität auftritt – d. h. keine störenden Geräusche in bestimmten Frequenzbereichen. Hersteller wie Vaillant schenken dieser Problematik besondere Aufmerksamkeit und lösen die unvermeidbaren Eigenfrequenzen durch ausgefeilte Regelungstechnik.

Generell lässt sich jedoch kein fixer Wert in dB(A) definieren und damit keine allgemein gültige Antwort geben, sondern es geht rein um die Einhaltung der Werte gemäß TA Lärm und Lärmschutz-Richtlinie (LRI). Die Krux dabei: Die Vorschriften zu Schallemissionen werden darüber hinaus auf regionaler bzw. lokaler Ebene fixiert. Und so gelten in Kommune X die Vorschriften der TA Lärm minus 3 dB(A) und in Kommune Y die Vorschriften der TA Lärm minus 6 dB(A). Deswegen ist es für jeden Fachhandwerker verpflichtend, sich jeweils über die Vorschriften im Installationsgebiet genau zu informieren und diese Angaben auch periodisch auf Veränderungen zu überprüfen.

KRITERIUM 4: EFFIZIENZ UND LEISTUNGSDATEN

Auch hinsichtlich der Effizienz steht der Fachhandwerker unterschiedlichen Maßzahlen gegenüber, die ein Bild bieten können, das nicht der Realität entsprechen muss. Hier seien die Kennzahlen COP (Coefficient of performance), SCOP (Seasonal coefficient of performance), JAZ (Jahresarbeitszahl) und ηs (Eta s) genannt. Um den Rahmen des Beitrages nicht zu sprengen, soll hier nicht auf die Unterschiede in diesen Maßzahlen eingegangen werden. Vielmehr soll die „jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz“ ηs in den Mittelpunkt des Interesses für Effizienzangaben gerückt werden. Dieser Wert ist die Grundlage für das EU-Energieeffizienzlabel nach ErP, die Grundlage der Förderfähigkeit, die Vorlage für Untersuchungen der Stiftung Warentest und die Basis für einen Vergleich unterschiedlicher Heiztechnologien.

Generell sollte man zur Entwicklung von Wärmepumpen wissen, dass sich die Effizienz, Schallemissionen und Abmessungen in einem Dreieck bewegen, in dem die Veränderung eines Wertes direkte Auswirkungen auf die anderen Werte hat. Das bedeutet z. B., dass eine Wärmepumpe, die effizienter wird, zwangsläufig lauter oder größer werden muss. Hersteller müssen also nach der perfekten Synergie zwischen diesen Parametern für ihre Produkte suchen. Dies ist den großen Marktteilnehmern offensichtlich mit Blick auf die Effizienz besonders gut gelungen, denn die Werte unterscheiden sich in der Regel nur marginal.

Insofern hat sich die Bedeutung der Effizienz einer Wärmepumpe tendenziell verringert. Entscheidend sind Faktoren wie die Aufstellbarkeit und die Schallemissionen geworden. „Was nutzt das letzte Zehntel an einer höheren Effizienz im Vergleich zu anderen Wärmepumpen, wenn eine Aufstellung aufgrund des großen Schutzbereiches oder einer zu hohen Lautstärke nicht machbar ist“, so Dr. Alexander Linder, Leiter Produktmanagement bei Vaillant Deutschland dazu.

KRITERIUM 5: REGELUNG / ENERGIE-MANAGEMENT

Hinsichtlich der Regelung einer Luft/Wasser-Wärmepumpe sind die Vorgaben prinzipiell klar: Nicht nur die Wärmepumpe an sich sollte möglichst effizient geregelt sein, sondern sie sollte sich gleichzeitig intelligent in das gesamte Energie-Management eines Gebäudes einbinden lassen. An erster Stelle steht hier die Eigennutzung von PV-Strom und die Verwendung bevorrateter Energie aus dem Batteriespeicher. Ist die Regelung dann noch darauf ausgelegt, nicht nur die Wärmepumpe zu steuern, sondern auch gleichzeitig die vorhandene kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung, gleicht dies einer perfekten Lösung.

Doch letztendlich spielen nicht nur die Technik an sich, sondern vor allem auch die Installation und die Nutzung der Wärmepumpe eine entscheidende Rolle für die tatsächliche Effizienz. Deswegen bieten große Heiztechnikhersteller wie beispielsweise Vaillant umfassende digitale Services an, die über die eigentlichen Regelungsaufgaben weit hinausgehen. OptimierungPlus analysiert z. B. fortlaufend die Betriebsparameter des Heizsystems und passt diese individuell auf die jeweilige Immobilie und das Nutzerverhalten an. Dadurch lassen sich Energiekosten um bis zu 15 % reduzieren. Das smarte, cloudbasierte Energiemanagement EnergiePlus wiederum sorgt dafür, dass die Wärmepumpe vorausschauend selbst erzeugten PV-Strom nutzt. Bei der Beanspruchung eines dynamischen Stromtarifs verlagert EnergiePlus den Warmwasser-Betrieb der Wärmepumpe in die Zeiten der niedrigsten Börsenstrompreise.

Selbstverständlich sollte auch die Regelung per App sein. Diese muss dann nicht nur reine Regelungsfunktionen, sondern auch die Veranschaulichung der Energieverbräuche in Echtzeit generieren. So lassen sich die Heizkosten senken, indem der Verbrauch optimiert wird. Hier ist oft ein Blick in die Bewertungen der einschlägigen App-Stores hilfreich. Denn dort berichten Nutzer über ihre Erfahrungen im Umgang mit der App und bewerten ihre Alltagstauglichkeit sowie Benutzerfreundlichkeit.

KRITERIUM 6: RANDFAKTOREN

Ohne Frage spielen zahlreiche weitere Faktoren in der Beurteilung einer Luft/Wasser-Wärmepumpe eine entscheidende Rolle. Jedoch runden sie angesichts der Dominanz der ersten fünf Kriterien oftmals lediglich den bereits entstandenen Eindruck ab. Ein wichtiges Merkmal ist die kostenfreie, fünfjährige Garantie. Diese kann bei den großen Heiztechnik-Herstellern oftmals (kostenpflichtig) auf zehn Jahre verlängert werden.

Und auch der Blick auf die Serienausstattung lohnt sich fast genau wie beim PKW. Denn die später in der Regel ohnehin benötigte und gewünschte Ausrüstung kann als Sonderzubehör richtig ins Geld gehen. Dazu zählen beispielsweise Absperrventile für die Wartung, die Kaltwasser-Sicherheitsgruppe, das Internet-Gateway, ein integrierter Magnetitabscheider in der Inneneinheit etc.

FAZIT:

Die Relevanz von Beurteilungskriterien einer Luft/Wasser-Wärmepumpe hat sich in den letzten Jahren geändert. Lag früher unangefochten die Effizienz auf Platz 1 haben sich die Produkte der großen Hersteller mittlerweile weitgehend angeglichen. Dadurch rücken insbesondere das Kriterium der Aufstellmöglichkeiten in Verbindung mit dem Kältemittel R290 und die Schallemissionen in den Fokus. Zahlreiche weitere Faktoren runden dann das Bild der Wärmepumpe und ihre Einstufung in das Gesamtangebot am Markt ab.

1 Wer heute bei der Auswahl einer Luft/Wasser-Wärmepumpe auf die Faktoren setzt, die vor zehn Jahren Gültigkeit hatten, empfiehlt in der Praxis oft nicht die optimale Technologie.

2 Entscheidend sind Faktoren wie die Aufstellbarkeit und die Schallemissionen.

3 Lag früher bei den Bewertungskriterien für Wärmepumpen die Effizienz auf Platz 1 haben sich die Produkte der großen Hersteller mittlerweile weitgehend angeglichen.

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