In diesem Teil lernst Du, welche Bauteile in keinem Schema fehlen dürfen, wie ihre genormten Symbole aussehen, welche Nennweiten typisch sind und wie Du die Voreinstellwerte für den gesetzlich vorgeschriebenen hydraulischen Abgleich korrekt einträgst und warum dieser für die Effizienz der Anlage so entscheidend ist.
Das Montageschema entwickeln
Jetzt wird es spannend. Ein Montageschema zeigt vor allem, wie das Wasser durch die Anlage fließt und wie die Bauteile zusammenarbeiten. Es ist in der Regel nicht streng maßstäblich, visualisiert aber die räumliche Anordnung so, dass Du die Anlage später unter realen Baustellenbedingungen montieren kannst – ohne Kollisionen mit Wänden oder anderen Gewerken. Im Schema kannst Du auf einen Blick sehen, welche Pumpe welchen Heizkreis versorgt, wo die Mischer sitzen und wo die Absperrungen liegen.
Was unbedingt rein muss:
- Alle Bauteile: Pumpen, Ventile, Mischer, Sicherheitsgruppen, Filter, Rückflussverhinderer
- Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG)
- Nennweiten der Rohrleitungen
- Fließrichtungen mit Pfeilen
- Absperrarmaturen vor und hinter jedem wartungsrelevanten Bauteil
- KFE-Hähne (Kessel-Füll- und Entleerungshähne) an den tiefsten Punkten
- Entlüfter an den höchsten Punkten
- Mess- und Anzeigegeräte (Manometer, Thermometer)
- Voreinstellwerte für den hydraulischen Abgleich
- Brandschutzdurchführungen mit Position
und Klasse
Wie liest Du ein fertiges Schema?
Eine bewährte Reihenfolge: Starte beim Wärmeerzeuger (Kessel, Wärmepumpe) und folge dem Vorlauf. Du gehst quasi mit dem warmen Wasser mit – über den Kesselkreis, die hydraulische Weiche oder den Verteiler, die einzelnen Heizkreise bis zum Heizkörper. Dann folgst Du dem Rücklauf wieder zurück. Parallel dazu schaust Du Dir den Trinkwasserzweig an: Vom Hausanschluss über die Vorwärmung/Speicher bis zur Zapfstelle. So bekommst Du ein Gefühl für den ganzen Kreislauf.
Kurzer Einschub zu den Nennweiten
Du wirst die Abkürzung DN (Diameter Nominal = Nennweite) ständig sehen. Die Nennweite (DN) ist eine normierte Kenngröße, um Bauteile wie Rohre, Ventile und Pumpen in einem System passend zueinander zu klassifizieren. Sie bezieht sich auf den freien Innendurchmesser. Die Zuordnung zu den tatsächlichen Außendurchmessern, die Du am Rohr misst, ist nicht immer 1-zu-1, aber es gibt eine praxisnahe Zuordnung:
Gliedere die Anlage in sinnvolle Abschnitte: Kesselkreis, Heizkreisverteilung, Trinkwarmwasser, Zirkulation, einzelne Heizkreise. So kannst Du Schritt für Schritt arbeiten und behältst auch bei großen Anlagen den Überblick.
Die wichtigsten Symbole nach DIN EN ISO 14617
Verwende immer genormte Symbole. In der Praxis lohnt es sich, eine Symboltafel als PDF auszudrucken und in der Werkstatt aufzuhängen.
Die wichtigsten Symbole, die Du täglich brauchst:
- Absperrarmatur – Das Grundsymbol nach Norm besteht aus zwei gegeneinander gerichteten Dreiecken. Ob diese ausgefüllt oder nicht ausgefüllt dargestellt werden, hat je nach Planer-Konvention unterschiedliche Bedeutungen (z. B. reine Absperrfunktion vs. regulierbare Funktion, oder auch offen vs. geschlossen im Ruhezustand). Wichtig: Die exakte Bedeutung ist nicht absolut standardisiert und muss zwingend der Planlegende entnommen werden. Verlassen Sie sich nie allein auf die Darstellung!
- Absperrschieber – zwei gegeneinander gerichtete Dreiecke, die durch eine senkrechte Linie getrennt sind, oft mit einem T-Aufsatz für die Spindel. Gewährleistet einen vollen, widerstandsarmen Durchgang, was ihn ideal für Hauptleitungen macht. Einsatz: typischerweise für große Nennweiten (ab DN 50), wo Druckverluste minimiert werden müssen.
- Pumpe – Kreis im Strang mit Pfeil in Förderrichtung
- 3-Wege-Mischer – Kreis mit Kreuz und drei Anschlüssen. Mischt warmen Vorlauf mit kühlerem Rücklauf, um z. B. eine Fußbodenheizung von 60 °C Kessel-VL auf 35 °C runterzukühlen. Wird über einen Stellmotor angesteuert.
- Rückflussverhinderer – Pfeil mit Strichanschlag (Durchfluss nur in eine Richtung)
- Manometer (P) und Thermometer (T) – kleiner Kreis mit Symbol/Buchstabe
- Sicherheitsventil – Ventil mit schräger Federdarstellung, Auslass nach oben/seitlich
- Entlüfter – kleines Dreieck nach oben, beim automatischen Entlüfter mit Kreis kombiniert
- Filter / Schmutzfänger – Quadrat im Strang
- Plattenwärmetauscher – Rechteck mit Querstrich und vier Anschlüssen
- Heizkreisverteiler – langes Rechteck mit mehreren Abgängen
- Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG) – stehender Behälter mit waagrechter Trennlinie
Beschrifte alles eindeutig – HK1, HK2, M1, P1 und so weiter. Im Idealfall gibt es eine Legende, die alle Abkürzungen erklärt.
Tipp aus der Praxis: Beginne immer bei der Hauptverteilung – also beim Kessel oder dem Verteiler – und arbeite Dich von dort nach außen vor. Strang für Strang, Abzweig für Abzweig. So vergisst Du nichts und das Schema wird übersichtlich.
Hydraulischer Abgleich: Ohne ihn ist das Schema nur halb fertig
Ein Punkt, der gerne vergessen wird, aber inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben ist (siehe GEG und Förderbedingungen der BAFA/KfW): der hydraulische Abgleich.
Was ist das? In jeder Heizungsanlage müssen alle Heizkörper bzw. Heizkreise die richtige Wassermenge bekommen – nicht zu viel, nicht zu wenig. Ohne Abgleich bekommt der Heizkörper, der am nächsten an der Pumpe sitzt, viel zu viel Wasser, und der weit entfernte wird kalt. Folge: Der Kunde dreht die Pumpe höher, der Kessel läuft heißer, die Heizkostenabrechnung explodiert.
Verfahren A oder B – was ist der Unterschied?
Es gibt zwei zugelassene Verfahren für den hydraulischen Abgleich:
- Verfahren A: Ein Schätzverfahren, das auf vereinfachten Annahmen zur spezifischen Heizlast des Gebäudes basiert (z. B. Watt pro Quadratmeter). Es ist schnell, aber ungenau und für die Beantragung von staatlichen Fördermitteln (BEG-Förderung) in der Regel nicht mehr zulässig. Das ist wichtig für Dich und Deinen Chef, denn ohne korrekte Berechnung gibt‘s kein Geld vom Staat.
- Verfahren B: Raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Für jeden Raum wird einzeln berechnet, wie viel Wärme bei Auslegungstemperatur (z. B. -12 °C draußen) nötig ist. Daraus ergeben sich dann die genauen Voreinstellwerte für jedes Ventil.
Heute ist Verfahren B Pflicht, wenn Du Fördermittel beantragen willst – und das ist bei modernen Heizungssanierungen praktisch immer der Fall.
Was bedeutet das fürs Schema?
Im Schema müssen pro Heizkörper bzw. Heizkreis die Voreinstellwerte der Thermostatventile bzw. der Heizkreisverteiler eingetragen sein. Beispiel:
- HK1 Wohnzimmer: Voreinstellung 4,5
- HK2 Bad: Voreinstellung 2,0
- HK3 Schlafzimmer: Voreinstellung 3,0
Wie stellst Du diese Werte am Ventil ein? Bei den meisten Thermostatventilen drehst Du den Thermostatkopf ab. Darunter siehst Du einen kleinen Einstellring mit Zahlen oder Buchstaben. Mit einem Voreinstellschlüssel (gibt es vom jeweiligen Hersteller) drehst Du den Ring auf den vorgegebenen Wert. Manche Ventile haben heute auch eine digitale oder werkzeuglose Voreinstellung.
Was, wenn das Ventil im Altbau keine erkennbare Skala hat? Dann hilft nur: Hersteller und Baujahr identifizieren (Aufdruck am Ventilkörper, Foto an den Großhandel) oder das Ventil komplett tauschen. Bei vielen alten Ventilen ohne Voreinstellmöglichkeit ist ein Tausch ohnehin Pflicht für den Förderantrag.
Anschließend dokumentierst Du die eingestellten Werte im Übergabeprotokoll – das ist Pflicht für den Förderantrag.
Faustregel: Ein Schema ohne Voreinstellwerte ist heute kein vollständiges Schema mehr. Wenn Du eines vom Planer bekommst, in dem die Werte fehlen, frag aktiv nach.
Ausblick auf Teil 3
Du hast nun das Rüstzeug, um ein fachlich korrektes und vollständiges Montageschema zu erstellen. Du kennst die wichtigsten Bauteile, ihre Symbole und die Notwendigkeit, den hydraulischen Abgleich von Anfang an zu integrieren. Dein Plan ist theoretisch perfekt und enthält alle Informationen für eine effiziente, normgerechte Anlage.
Doch die beste Theorie nützt nichts, wenn sie an der Baustellen-Realität zerschellt. Im dritten und letzten Teil unserer Serie machen wir den Realitäts-Check: Wir decken die häufigsten Planungsfehler auf – von unzugänglichen Armaturen bis zur ignorierten Längenausdehnung –, besprechen die richtige Inbetriebnahme, wichtige Systementscheidungen wie die Wahl zwischen Frischwasserstation und Speicher und klären, wie man Änderungen sauber dokumentiert.
Sicherheitsgruppe & MAG
Die Sicherheitsgruppe schützt Deine Heizungs- oder Trinkwasseranlage vor Überdruck.
- Die Sicherheitsgruppe für geschlossene Heizungsanlagen nach DIN EN 12828 besteht aus drei Bauteilen: einem Sicherheitsventil (SV), einem Manometer und einem Trägerbauteil für den Anschluss. Häufig wird in dessen Nähe zusätzlich ein automatischer Entlüfter installiert, er ist aber nicht normativer Bestandteil der Sicherheitsgruppe selbst.
- Die Sicherheitsgruppe für Trinkwassererwärmer (Speicher) nach DIN 1988-200 und DIN EN 806-2 sichert dessen Kaltwasserzuleitung ab. Die normativ definierte Baugruppe besteht in Fließrichtung aus: einem Rückflussverhinderer, einem Manometeranschluss und einem Membran-Sicherheitsventil. Zwingend vor diese Baugruppe gehört ein Absperrventil, das gegen unbeabsichtigtes Schließen gesichert sein muss (z. B. Kappenventil).
Das Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG) ist ein Stahlbehälter mit einer Gummimembran innen. Eine Seite ist mit Stickstoff vorgespannt, die andere mit dem Heizungswasser verbunden. Wenn sich das Wasser bei Erwärmung ausdehnt, drückt es die Membran zusammen – so bleibt der Druck in der Anlage stabil. Ohne MAG würde das SV bei jedem Aufheizen ablassen.
Im Schema sitzt das MAG im Rücklauf vor dem Wärmeerzeuger und wird an der Saugseite der Umwälzpumpe angeschlossen. Diese Anordnung definiert den neutralen Punkt des Drucksystems. An diesem Punkt bleibt der Anlagendruck unabhängig vom Betriebszustand der Pumpe (ein/aus) nahezu konstant. Die Pumpe erzeugt eine Druckdifferenz. Sie erhöht den Druck auf ihrer Druckseite und senkt ihn auf ihrer Saugseite. Durch die Positionierung des MAG auf der Saugseite wird sichergestellt, dass die Druckerhöhung der Pumpe im gesamten Netz wirkt und an den höchsten Punkten kein Unterdruck entstehen kann, der zum Ansaugen von Luft führen würde.
Heizlast
Die Heizlast sagt aus, wieviel Watt Wärme ein Raum bei tiefster Außentemperatur verliert und entsprechend wieder ersetzt bekommen muss, damit es drinnen warm bleibt. Sie wird in Watt (W) angegeben.
Beispiel: Ein gut gedämmtes Wohnzimmer mit 25 m² braucht vielleicht 1000 W Heizleistung bei -12 °C draußen. Ein schlecht gedämmtes Altbauwohnzimmer gleicher Größe kann auch 2500 W brauchen.
Wer rechnet das? Bei Neubauten und größeren Sanierungen der Energieberater oder Planer. Du als Monteur musst es nicht selbst rechnen, aber Du musst die Werte aus dem Heizlastprotokoll lesen und ins Schema übertragen können.
1 Ein vollständiges Schema zeigt Bauteile, Flüsse und Einbauorte klar auf.
2 Normsymbole und Nennweiten sorgen für eindeutige Planung und Montage.
3 Die Anlage wird am besten abschnittsweise geplant und nachvollzogen.
4 Hydraulischer Abgleich verteilt Wassermengen korrekt und spart Energie.
5 Förderfähige Anlagen erfordern berechnete Einstellwerte und Dokumentation.
6 Übergabeprotokoll ist Pflicht für den Förderantrag.
Bild: Google AI/SBZ Monteur
Bild: ChatGPT/SBZ Monteur
Bild: Google AI/SBZ Monteur
Bild: ChatGPT
Bild: ChatGPT/SBZ Monteur