„Die Jugend will nicht mehr arbeiten.“ Diesen Satz hört man oft. Zu unpünktlich, zu empfindlich, zu viel Smartphone, zu wenig Einsatz – die Liste der Vorwürfe ist lang.
Mit dem neuen Ausbildungsjahr kommen viele junge Menschen in die SHK-Betriebe. Die meisten gehören zur Generation Z. Sie fragen nach dem Warum, erwarten Rückmeldungen und legen Wert auf planbare Freizeit und einen respektvollen Umgang. Doch nicht jede kritische Frage ist Arbeitsverweigerung. Und nicht jeder Wunsch nach vernünftigen Arbeitsbedingungen ist fehlende Leistungsbereitschaft.
Eine Ausbildung ist kein Wunschkonzert. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Einsatz gehören zum Beruf. Wer morgens zu spät kommt, ständig auf das Handy schaut oder bei jeder Aufgabe diskutiert, muss sich Kritik gefallen lassen. Aber Ausbildung funktioniert auch nicht mehr nach dem Motto: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Wer Azubis ständig nur den Transporter ausräumen, den Boden fegen und Material schleppen lässt, darf sich nicht wundern, wenn die Motivation schwindet. Junge Menschen merken schnell, ob sie als zukünftige Fachkräfte ernst genommen werden oder lediglich als günstige Hilfskräfte dienen.
Hier sind Chefinnen und Chefs gefragt. Ausbildung darf nicht nebenbei laufen. Es braucht klare Ansprechpartner, sinnvolle Aufgaben, regelmäßige Gespräche und eine Perspektive. Wer Nachwuchs gewinnen will, muss auch Zeit und Geld in diesen Nachwuchs investieren.
Eine ebenso wichtige Rolle spielen die Monteurinnen und Monteure. Sie zeigen den Azubis jeden Tag, wie der Beruf funktioniert. Sie erklären Arbeitsabläufe, den Umgang mit Kunden und das Verhalten im Team. Natürlich dauert eine Arbeit länger, wenn jeder Schritt erklärt werden muss. Aber das ist Ausbildung.
Und die Azubis müssen liefern. Fragen stellen, aufmerksam zuhören, mitdenken und Verantwortung übernehmen. Fehler dürfen passieren – aber derselbe Fehler sollte nicht wiederholt werden, weil nicht zugehört wird.
Vielleicht will die Jugend also nur anders arbeiten. Das kann man als Chance sehen, die Ausbildung im eigenen Betrieb zu verbessern. Nur wenn alle drei Seiten ihren Teil beitragen, wird aus dem neuen Lehrling eine Fachkraft, die dem Betrieb langfristig erhalten bleibt.
Die Jugend will nicht mehr arbeiten? Vielleicht sollten wir erst einmal dafür sorgen, dass sie eine Arbeit kennenlernt, für die sich Einsatz auch lohnt.
Euer
Stephan von Oelhafen
Chefredakteur