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Zwischen Ansage und Anerkennung

Hey SHK-Mädels und -Jungs,

eine Freundin hat mir neulich eine Baustellen-Geschichte erzählt, bei der ich schmunzeln musste: Neben ihrer Wohnung wird gerade gebaut und an einem sonnigen Tag im Homeoffice konnte sie den Baustellen-Gesprächen lauschen. Es war wohl auch ein Azubi dabei und der bekam, wie so üblich, einige deutliche Anweisungen. Da wurde ganz einfach nicht jedes Wort in Watte gepackt. Meine Freundin war davon ein wenig irritiert, da in ihrem persönlichen Arbeitsalltag etwas vorsichtiger formuliert wird.

Aber passt auf, am Nachmittag wurde sie dann doch noch überrascht von unserer Zunft: Der Vorarbeiter ging wohl mit dem Azubi noch einmal die Arbeit durch, erklärte, was gut gelaufen war, wo es noch Luft nach oben gab und warum bestimmte Dinge wichtig sind. Und am Ende kam ein Fazit, das ihr im Kopf geblieben ist: „War heute insgesamt sehr ordentlich! Gut gemacht. Morgen machen wir da weiter.“ Kein großes Theater. Kein Motivationsseminar. Aber ehrliches Lob und konstruktive Rückmeldung. Willkommen auf der Baustelle!

Natürlich geht es bei uns manchmal etwas direkter zu als in anderen Branchen. Wer ins Handwerk geht, sollte schon bereit sein, sich eine gewisse Portion Selbstbewusstsein zuzulegen – oder wie ich es gerne nenne: die Große-Mädchen-Hose anzuziehen. Auf der Baustelle läuft nicht immer alles diplomatisch ab. Da wird angepackt. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass der Umgang unfair ist!

Im Gegenteil: Die meisten Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich arbeite, sind unglaublich hilfsbereit, loyal und ehrlich. Wenn etwas nicht passt, wird es angesprochen. Wir arbeiten schließlich nicht an PowerPoint-Präsentationen, sondern an Heizungen, Trinkwasserinstallationen, Lüftungsanlagen und Bädern. Wenn hier Fehler passieren, wird es schnell teuer, aufwendig oder unangenehm. Das „Ausbessern hinterher“ ist meistens die deutlich schlechtere Variante. Deshalb braucht es klare Kritik.

Ein Azubi lernt nicht dadurch, dass man ihm jeden Fehler schönredet. Er lernt, wenn ihm jemand erklärt, was falsch war und wie es besser geht. Hab ich schließlich auch jahrelang. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – genauso wichtig ist das Lob. Denn wer den ganzen Tag nur hört, was nicht funktioniert hat, verliert irgendwann die Motivation. Gerade junge Menschen wollen wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Sie wollen sich entwickeln – wirklich! Und da sind wir alle gefragt: Die Suche nach Nachwuchs beginnt nicht erst auf Ausbildungsmessen oder bei Social-Media-Kampagnen, sie beginnt jeden Morgen auf der Baustelle. Der Azubi von heute entscheidet oft anhand seiner täglichen Erfahrungen, ob er morgen Geselle werden will, übermorgen Meister – oder ob er aufgibt.

Deshalb mein Appell an alle Vorarbeiter, Gesellen, Meister und Chefs: seid klar, seid ehrlich, korrigiert Fehler, fordert Leistung. Und vergesst mir das Lob nicht, Jungs! Ein ehrliches „Gut gemacht“ kostet nichts – kann aber eine Menge bewirken. Und wenn wir das hinbekommen, dann bleiben uns die jungen Leute vielleicht nicht nur bis zum Ende ihrer Ausbildung erhalten, sondern für ein ganzes Berufsleben.

Eure

Sandra Hunke

Auf der Baustelle läuft nicht immer alles
diplomatisch ab. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass der Umgang unfair ist!

Sandra Hunke

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