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Aufbrausende Kollegen

Warum gleich ­explodieren?

Spontane Kraftausdrücke gehören nicht zum guten Ton, doch Fluchen kann sogar erleichtern. Wer sich kräftig den Zeh anstößt, lässt mit einem „Fuck“ Dampf ab. Auch die Fäkaliensprache ist typisch beim Fluchen. Der bri­tische Psychologe Richard Stephens meint: „Fluchen macht den Körper sogar leistungsfähiger, weil Stresshormone ­ausgeschüttet werden und der Blutzuckerspiegel dabei steigt.“ Fluchen wirkt im Moment aggressiv, aber danach ­erfolgt die Entspannung. „Wer seine Spannungen abbauen kann, ist ­danach ausgeglichener und hat besseren Zugang zu seiner ­Intelligenz“, meint der Therapeut Werner Gross, Gelnhausen.

Souveränität lässt einen schnell runterkommen

Bild: Getty Images

Souveränität lässt einen schnell runterkommen

Reaktion auf den wütenden Kollegen

In konstruktiver Weise auf den Wutausbruch eines anderen zu reagieren, fällt schwer, weil man sich nicht so leicht in die Lage des anderen versetzen kann. Keinesfalls sollte man sofort reagieren und auch die Strategie „Alle gegen einen“ ist nicht hilfreich. Das Gespräch ist in Form eines Feedbacks zu führen, es darf nicht zur Kritik werden. Dafür ist die Wortwahl wichtig. Statt mit Appellen zu reagieren, z. B. „Reg dich doch nicht so auf“, „Bleib doch mal auf dem Teppich“, „Mach mal halblang“, ist es besser, Fragen zu stellen: „Was bringt die ganze Aufregung?“ Den aufgebrachten Kollegen mahnt man am besten mit Fragen und zwar nach der Auf­regung. Offene Fragen, die mit einem ­W-Wort beginnen, führen zur Nachdenklichkeit. Beispiel: „Was erreichst du mit deinem Wutausbruch?“ Geschlossene Fragen sind weniger geeignet. Beispiel: „Hast du jetzt was erreicht?“ Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte positive Unterstellung. Beispiel: „So wie ich dich einschätze, bist du doch immer gelassen, auch wenn mal was nicht passt, oder?“

Allerdings gibt es auch völlig andere Meinungen: „Lass ihn doch schimpfen, das dauert nicht lange, Hauptsache, er hat sich abgeregt.“ Für den Typ Choleriker trifft das tatsächlich zu. Er ist sofort auf hundert und genauso schnell wieder bei null. Er reagiert sich ab und ist dann wieder friedlich. Ein ­permanenter Vulkanausbruch dagegen ist schon nervig für die Kollegen, vor allem wenn die Nachwirkung von Wut lange andauert.

Mit dem eigenen Ärger umgehen

Es gibt immer wieder Anlässe, sich zu ärgern. Und es gibt Tage, da kommt alles auf einmal. Es kommt aber auch darauf an, wie man eine Situation bewertet, wie man selbst souverän und ruhig bleibt. Wer hohe Erwartungen mit hohen Ansprüchen hat, ärgert sich, wenn etwas schiefläuft. Ärger gehört zu den negativen Gefühlen, die sehr nachhaltig sind im Vergleich zu positiven Gefühlen, die man schnell als selbstverständlich abhakt. Damit man dem Ärger nicht ausgeliefert ist, muss man ihn früh erkennen und ihn gleich bearbeiten. Denn wer sich ärgert und aufregt, entwickelt viel Energie, die leider nicht produktiv genutzt wird. Viel besser ist es, die Energie, die im Ärger steckt, für den Weg zu nutzen, der aus der Krise herausführt. Die Gewohnheit, negative Gefühle ­herunterzuschlucken, hat sich nicht bewährt. Zwischen dem freien Ausleben des Ärgers und dem Herunterschlucken und Verdrängen gibt es eine Alternative: Man entscheidet sich ganz bewusst für Gelassenheit. Statt sich mit der Ursache des Ärgers zu beschäftigen, befasst man sich besser mit seinen ­eigenen Gefühlen. Man kann sich genauso gut entscheiden, sich nicht zu ärgern. Da Gefühle immer schneller sind als der Verstand, müssen diese ausgebremst werden. Einen Gefühlsausbruch kann man vermeiden, wenn man den Verstand wie einen Lichtschalter einschaltet. Die ­Beherrschung des Ärgers kann man auch mit der ­Methode „Ausblick“ vornehmen. Dabei überlegt man, was der augenblickliche ­Ärger noch in einer Woche bedeutet. Wahrscheinlich hat er keine Bedeutung mehr. Und warum sollte man sich jetzt über etwas ärgern, wenn feststeht, dass der Ärger später bedeutungslos ist? Bei kleineren Pannen ist der Ausblick daher eine gute ­Methode. Dann klickt man gedanklich einfach auf „löschen“ wie beim Computer. Man kann nur in einem frühen Stadium des Ärgers entscheiden, wie man damit umgeht. Wenn man den Beginn von ­Ärger und Wut schnell erkennt, überlegt man erst mal kurz, wie man am besten reagiert. Anderenfalls läuft man dem ­Ärger vielleicht in die Falle. Die Verarbeitung des ­Anlasses, der den Ärger auslöst, ist entscheidend für die weitere Entwicklung der Situation.

Schätzen Sie sich und die Kollegen im Betrieb mal ein …Quelle: Leicher

Bild: Leicher

Schätzen Sie sich und die Kollegen im Betrieb mal ein …Quelle: Leicher

AUTOR

Dipl.-Betriebswirt Rolf Leicher
ist Fachautor und Referent; Telefon: (0 62 21) 80 48 82

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