Bei einer Trinkwasserleitung ist es normal, dass der Rohrquerschnitt vollständig mit Wasser gefüllt ist. Bei einer Schmutzwasserleitung im Gebäude ist das anders. Hier fließt das Wasser überwiegend durch die Schwerkraft ab. Die Leitungen sind dabei normalerweise nicht vollständig mit Wasser gefüllt.
In Deutschland werden Schmutzwasseranlagen innerhalb von Gebäuden nach dem sogenannten System I bemessen. So heißt das hierzulande verwendete Entwässerungssystem nach DIN EN 12056-2. Anschlussleitungen werden dabei teilgefüllt betrieben.
Bei der Bemessung wird ein Füllungsgrad von 0,5 zugrunde gelegt. Vereinfacht gesagt: Die Wasserhöhe entspricht dabei etwa der Hälfte des inneren Rohrdurchmessers. Oberhalb des Wassers bleibt Platz für Luft.
Und genau diese Luft ist wichtig. Fließt Wasser in ein Rohr, muss Luft verdrängt werden oder nachströmen können. Funktioniert dieser Luftaustausch nicht ausreichend, entstehen Druckschwankungen. Diese können sich beispielsweise am Geruchsverschluss eines Waschtischs oder einer Dusche bemerkbar machen.
Eine Schmutzwasseranlage besteht deshalb nicht einfach aus Rohren, die bergab führen. Wasser und Luft brauchen einen Weg.
Was passiert beim WC-Spülen?
Drückt ihr die Spültaste eines WCs, gelangt innerhalb kurzer Zeit eine größere Wassermenge in die Anschlussleitung und anschließend in die Fallleitung. Die Fallleitung führt das Schmutzwasser überwiegend senkrecht – gegebenenfalls mit Verziehungen – durch ein oder mehrere Geschosse. In sie münden die Anschlussleitungen.
Das Wasser strömt nach unten und bewegt dabei auch Luft. Vereinfacht könnt ihr euch das so vorstellen: Vor dem abfließenden Wasser wird Luft verdrängt, an anderer Stelle muss Luft nachströmen. Dadurch können Druckunterschiede entstehen.
Entsteht Unterdruck, muss Luft in das System nachströmen können. Bei Überdruck muss Luft ausweichen können. Deshalb gehört die Be- und Entlüftung fest zu einer Schmutzwasseranlage.
Funktioniert der Druckausgleich nicht ausreichend, können sich Druckschwankungen bis zu angeschlossenen Geruchsverschlüssen auswirken. Dann gluckert es beispielsweise am Waschtisch. Unter ungünstigen Bedingungen kann auch Sperrwasser aus einem Geruchsverschluss abgesaugt werden.
Für die Fehlersuche ist deshalb ein Punkt besonders wichtig: Dort, wo ihr ein Geräusch hört, muss nicht die Ursache des Problems liegen. Gluckert der Waschtisch beim Spülen des WCs, müsst ihr also nicht nur den Waschtisch untersuchen. Auch Anschlussleitung, gemeinsame Leitungsabschnitte und Lüftung kommen infrage.
Der Geruchsverschluss hält Gase draußen
Unter einem Waschtisch könnt ihr ihn gut erkennen: den Geruchsverschluss, umgangssprachlich meist Siphon genannt. Auch Duschen, Badewannen und viele Bodenabläufe besitzen einen Geruchsverschluss.
Im Geruchsverschluss bleibt Wasser stehen. Dieses Sperrwasser trennt die Raumluft von der Luft in der Entwässerungsanlage. Solange genügend Sperrwasser vorhanden ist, können Gase aus der Entwässerungsanlage nicht ungehindert in den Raum gelangen.
Wird Sperrwasser durch Druckschwankungen aus dem Geruchsverschluss herausgezogen oder herausgedrückt, kann diese Schutzwirkung beeinträchtigt werden.
Druckschwankungen sind aber nicht die einzige mögliche Ursache. Bei einem selten benutzten Ablauf kann Sperrwasser mit der Zeit verdunsten. Auch Verschmutzungen, Undichtheiten oder Montagefehler können Probleme verursachen. Riecht es aus einem Ablauf, heißt es deshalb nicht automatisch: „Die Lüftung ist kaputt.“
Prüft zuerst den betroffenen Entwässerungsgegenstand: Ist Wasser im Geruchsverschluss? Ist er richtig montiert, sauber und dicht? Betrifft das Problem nur diesen Ablauf oder auch andere? Erst danach wird die Suche ausgeweitet.
Gluckern ist ein Hinweis – keine Diagnose
Wenn ein Geruchsverschluss gluckert, bewegen sich dort hörbar Luft und Wasser. Das Geräusch zeigt euch also, dass im System etwas passiert. Es sagt aber noch nicht eindeutig, warum.
Gluckert ein Waschtisch nur, wenn dort selbst Wasser abläuft, untersucht ihr zunächst Geruchsverschluss und Anschlussleitung.
Gluckert er dagegen beim Spülen des WCs, solltet ihr auch gemeinsam genutzte Leitungsabschnitte und die Lüftung betrachten.
Auch Ablagerungen oder eine teilweise Verstopfung können das Abflussverhalten verändern.
Deshalb gilt: Gluckern ist ein Symptom, keine fertige Diagnose. Beobachtet zuerst genau, wann es auftritt und welche Entwässerungsgegenstände gerade benutzt werden.
Einzelanschlussleitung: Was ist das?
Vom Waschtisch, von der Dusche oder vom WC führt zunächst eine Leitung zur nächsten weiterführenden Leitung. Nimmt sie nur das Abwasser eines einzigen Entwässerungsgegenstandes auf, spricht man von einer Einzelanschlussleitung.
Das Rohr vom Waschtisch bis zu dem Punkt, an dem es mit einer anderen Leitung zusammentrifft, ist also eine Einzelanschlussleitung.
Treffen beispielsweise die Leitungen von Waschtisch und Dusche zusammen und fließt ihr Abwasser anschließend gemeinsam weiter, handelt es sich um eine Sammelanschlussleitung.
Die Unterscheidung ist wichtig, denn für die verschiedenen Leitungsarten gelten unterschiedliche Regeln.
Vier Grenzen für unbelüftete Einzelanschlussleitungen
Eine Einzelanschlussleitung kann unter bestimmten Bedingungen ohne eigene Belüftung ausgeführt werden.
Für unbelüftete Einzelanschlussleitungen gelten bei System I unter anderem:
- maximale Leitungslänge: 4 m
- Mindestgefälle: 1 %
- maximal drei 90°-Umlenkungen
- maximale Höhendifferenz: 1 m
Der Anschlussbogen direkt am Entwässerungsgegenstand wird bei den drei Umlenkungen nicht mitgezählt.
Doch warum gerade 4 m? Die 4 m sind eine normativ festgelegte Anwendungsgrenze. Das bedeutet nicht, dass eine Leitung bei 3,99 m sicher funktioniert und bei 4,01 m plötzlich versagt. Wird die Grenze überschritten, liegt die Leitung aber außerhalb der Anwendungsgrenzen für die unbelüftete Ausführung und muss entsprechend anders geplant beziehungsweise belüftet werden.
Auch die Höhendifferenz von 1 m ist genau festgelegt. Sie wird zwischen dem Anschluss am Entwässerungsgegenstand und der Rohrsohle im Anschlussabzweig an die Fallleitung bestimmt. Mit Rohrsohle ist die untere Innenkante des Rohres gemeint.
Die vier Werte sind also keine Empfehlungen, die möglichst vollständig ausgenutzt werden sollen. Sie legen fest, unter welchen Bedingungen eine Einzelanschlussleitung unbelüftet ausgeführt werden darf.
Was bedeutet „belüftete Anschlussleitung“?
Wird eine Einzelanschlussleitung belüftet, erhält sie einen vorgesehenen Luftweg zum Druckausgleich.
Das kann beispielsweise über eine angeschlossene Lüftungsleitung erfolgen. In normativ zulässigen Fällen kann auch ein geeignetes Belüftungsventil eingesetzt werden. Welche Lösung richtig ist, ergibt sich aus der Planung und den geltenden Regeln.
Für belüftete Einzelanschlussleitungen gelten andere Anwendungsgrenzen. Die Leitung darf bis zu 10 m lang sein. Das Mindestgefälle beträgt 0,5 %, die maximale Höhendifferenz 3 m.
Kann bei einer unbelüfteten Einzelanschlussleitung eine der zulässigen Bedingungen nicht eingehalten werden, muss die Leitung entsprechend belüftet werden. Leitungslänge, Gefälle und Lüftung müssen deshalb zusammen betrachtet werden.
Was bedeutet eigentlich 1 % Gefälle?
Diese Rechnung solltet ihr als Azubis sicher beherrschen. Ein Gefälle von 1 % bedeutet:
- 1 cm Höhenunterschied auf 1 m waagerechte Länge.
- Bei 2 m waagerechter Länge sind es 2 cm, bei 4 m sind es 4 cm.
- Bei 0,5 % sind es 5 mm pro Meter. Bei 6 m waagerechter Länge ergibt sich also ein Höhenunterschied von 3 cm.
Auf der Baustelle solltet ihr das Gefälle nicht nach Augenmaß herstellen. Messt nach und haltet euch an Planung und Vorgaben.
Anfang und Ende reichen nicht
Angenommen, eine Leitung liegt am Anfang und am Ende auf der richtigen Höhe. Trotzdem kann sie dazwischen falsch verlegt sein.
Hängt das Rohr zwischen zwei Befestigungspunkten durch, entsteht ein Tiefpunkt. Dort kann Wasser stehen bleiben. Das kann die Funktion der Leitung beeinträchtigen.
Deshalb gehören Rohrbefestigungen zur fachgerechten Installation. Schellenabstände und Befestigung richten sich nach Rohrsystem und Herstellerangaben.
Prüft längere Leitungen über den gesamten Verlauf – besonders bevor Vorwand, Schacht oder Decke geschlossen werden.
Ist mehr Gefälle immer besser?
Nein, so einfach ist es nicht. Auf Baustellen hört man gelegentlich: „Je mehr Gefälle, desto besser läuft es.“ Oder: „Bei zu viel Gefälle läuft das Wasser den Feststoffen davon.“ Als allgemeine Planungsregeln taugen beide Aussagen nicht.
Die Funktion einer Schmutzwasserleitung hängt von mehreren Größen ab: unter anderem von Leitungsart, Nennweite, Abwassermenge, Füllungsgrad, Gefälle, Leitungslänge und Leitungsführung.
Die Normen geben deshalb für die verschiedenen Leitungsarten Mindestgefälle und Bemessungsregeln vor. Für unbelüftete Einzelanschlussleitungen gelten mindestens 1 %, für belüftete Einzelanschlussleitungen mindestens 0,5 %. Bei anderen Leitungsarten können andere Vorgaben gelten.
Für euch heißt das: Gefälle wird nicht nach Baustellen-Faustregeln festgelegt, sondern passend zur jeweiligen Leitung.
Warum ein größeres Rohr nicht automatisch besser ist
Auch beim Rohrdurchmesser hört man manchmal: „Nimm lieber eine Nummer größer, dann kann nichts passieren.“
So funktioniert die Bemessung einer Entwässerungsanlage nicht. Die erforderliche Nennweite wird passend zur Belastung bestimmt. Ein WC belastet die Entwässerungsanlage anders als ein Waschtisch. Deshalb ist jedem Entwässerungsgegenstand ein festgelegter Anschlusswert zugeordnet. Die Kurzbezeichnung dafür lautet DU.
Aus diesen Anschlusswerten wird bei der Bemessung ermittelt, welche Belastung eine Leitung aufnehmen muss.
Doch warum kann ein unnötig großes Rohr ungünstig sein? Bei gleicher Abwassermenge kann in einem größeren Rohr die Wasserhöhe geringer sein. Auch Füllungsgrad und Fließgeschwindigkeit können sinken. Unter ungünstigen Bedingungen werden Feststoffe dann schlechter mitgenommen und Ablagerungen können begünstigt werden.
Das heißt nicht, dass ein großes Rohr grundsätzlich schlecht ist. Entscheidend ist die passende Dimensionierung für die jeweilige Belastung. Die Nennweite sollte deshalb nicht eigenmächtig vergrößert oder verkleinert werden.
Was bedeutet DN?
Auf Rohrleitungen findet ihr Bezeichnungen wie DN 40, DN 50 oder DN 100. DN bedeutet Nennweite. Die Zahl hinter DN ist eine Größenbezeichnung. Sie bedeutet nicht automatisch, dass jedes Rohr dieser Nennweite exakt diesen Innendurchmesser besitzt. Der tatsächliche Innendurchmesser hängt auch vom Rohrsystem ab.
Für euch in der Montage ist vor allem wichtig, die vorgesehenen Nennweiten und das geplante Rohrsystem einzuhalten.
Warum die Lüftung so wichtig ist
Jetzt kommen wir zurück zum Gluckern. Wenn Abwasser durch die Leitungen fließt, bewegt sich auch Luft. Damit sich dadurch entstehende Druckschwankungen in zulässigen Grenzen halten, braucht die Entwässerungsanlage eine funktionierende Be- und Entlüftung.
Eine zentrale Rolle spielt die Hauptlüftung.
Oberhalb des höchsten Anschlusses wird die Fallleitung als Lüftungsleitung weitergeführt und über Dach ins Freie geführt. Dadurch kann Luft nachströmen. Gleichzeitig können Luft und Gase aus der Entwässerungsanlage nach außen gelangen. Die Lüftung über Dach ist deshalb kein überflüssiger Leitungsabschnitt, sondern Teil des Entwässerungssystems.
Bei einer Einzelhauptlüftung wird die Fallleitung in ihrer Nennweite als Lüftungsleitung über Dach weitergeführt. Die Ausmündung muss nach oben offen sein.
Es gibt weitere Lüftungsarten
Neben der Hauptlüftung gibt es weitere Möglichkeiten, Entwässerungsleitungen zu belüften, beispielsweise Umlüftungen und Nebenlüftungen.
Für euren Einstieg reicht zunächst zu wissen: Welche Lüftung erforderlich ist, hängt vom Aufbau und von der Bemessung der Anlage ab.
Lüftungsleitungen dürfen deshalb nicht einfach weggelassen, verschlossen oder nach Belieben verändert werden.
Und was macht ein Belüftungsventil?
Vielleicht habt ihr auf der Baustelle schon einmal ein Belüftungsventil gesehen.
Entsteht Unterdruck im Rohr, kann das Ventil öffnen und Luft hineinlassen. Anschließend schließt es wieder.
Der entscheidende Unterschied zur Lüftungsleitung über Dach: Ein Belüftungsventil kann Luft hineinlassen, aber keine Luft und keine Gase aus der Entwässerungsanlage nach draußen ableiten. Deshalb ist es kein allgemeiner Ersatz für die Lüftung über Dach.
Belüftungsventile dürfen in Deutschland nur in bestimmten, normativ geregelten Fällen eingesetzt werden. In Ein- und Zweifamilienhäusern beziehungsweise entwässerungstechnisch vergleichbaren Nutzungseinheiten mit ausschließlich häuslichem Abwasser können sie unter bestimmten Voraussetzungen an Fallleitungen eingesetzt werden. Dabei muss mindestens die Fallleitung mit der größten Nennweite über Dach be- und entlüftet werden.
Für euch bedeutet das: Ein Belüftungsventil ist kein Universalbauteil gegen Gluckergeräusche. Zuerst muss geklärt werden, warum die Störung auftritt und ob ein Ventil an dieser Stelle überhaupt zulässig und geeignet ist.
Richtungsänderungen nicht
beliebig bauen
Auch Bögen und Abzweige beeinflussen die Strömung in einer Entwässerungsleitung.
Dass bei unbelüfteten Einzelanschlussleitungen nur eine begrenzte Zahl von 90°-Umlenkungen zulässig ist, zeigt bereits: Die Leitungsführung gehört zur Planung.
Ändert einen geplanten Leitungsweg deshalb nicht einfach, weil eine andere Strecke auf der Baustelle bequemer erscheint.
Muss wegen anderer Leitungen, Bauteile oder Platzproblemen anders verlegt werden, sollte geprüft werden, ob die neue Leitungsführung weiterhin fachgerecht ist.
Saubere Montage bleibt Pflicht
Eine richtig bemessene Anlage funktioniert nur, wenn sie fachgerecht montiert wird.
Bei Steckmuffenverbindungen müssen Rohrenden, Dichtungen und Muffen sauber und unbeschädigt sein.
Wie weit ein Rohr eingesteckt wird, richtet sich nach dem jeweiligen Rohrsystem und den Herstellerangaben. Das gilt auch für den Längenausgleich.
Kunststoffrohre können sich bei Temperaturänderungen verlängern oder verkürzen. Wie diese Bewegung aufgenommen wird, gibt der Hersteller für sein Rohrsystem vor.
Deshalb ist die pauschale Aussage „Nach dem Einstecken immer einen Zentimeter zurückziehen“ keine allgemeingültige Montageanweisung für jedes Rohrsystem. Auch bei Rohrschellen und Befestigungen gelten die Vorgaben des jeweiligen Systems.
Bevor eine Installation verdeckt wird, kontrolliert deshalb noch einmal: Stimmen Leitungsweg und Nennweiten? Ist das Gefälle eingehalten? Sitzen die Verbindungen richtig? Sind die Rohre korrekt befestigt? Sind die vorgesehenen Lüftungsleitungen angeschlossen?
Fehlersuche: Erst beobachten, dann schrauben
Ein Kunde sagt: „Der Waschtisch gluckert.“ Was macht ihr? Nicht sofort alles zerlegen. Zuerst grenzt ihr den Fehler ein.
- Was genau passiert?
Lasst Wasser laufen. Läuft der Waschtisch normal oder langsam ab?
Gluckert es sofort oder erst danach?
Bei Geruchsproblemen prüft ihr zusätzlich, ob im Geruchsverschluss ausreichend Sperrwasser vorhanden ist. - Nur ein Ablauf oder mehrere?
Testet andere Entwässerungsgegenstände.
Was passiert, wenn die Dusche läuft? Was passiert beim Spülen des WCs?
Bleibt das Problem auf den Waschtisch beschränkt, beginnt die Suche in dessen unmittelbarem Bereich.
Reagieren mehrere Entwässerungsgegenstände aufeinander, müsst ihr auch gemeinsam genutzte Leitungsabschnitte betrachten. - Geruchsverschluss kontrollieren
Ist er richtig montiert, sauber und dicht? Ist ausreichend Sperrwasser vorhanden? - Anschlussleitung betrachten
Soweit sie zugänglich ist: Stimmt das Gefälle? Gibt es einen sichtbaren Durchhang? Wurde die Leitung verändert? Sind Länge und Leitungsführung innerhalb der zulässigen Grenzen? Gibt es Hinweise auf eine Verstopfung oder Verengung? - Lüftung einbeziehen
Treten Probleme vor allem bei größeren Abwassermengen auf oder reagieren mehrere Entwässerungsgegenstände aufeinander, gehört die Lüftung zur Fehlersuche.
Dabei reicht es nicht festzustellen: „Da ist irgendwo ein Lüftungsrohr.“
Es muss geprüft werden, ob die vorgesehene Be- und Entlüftung tatsächlich funktioniert.
Praxisfall: Das WC bringt den Waschtisch zum Gluckern
Stellt euch ein Bad mit WC, Waschtisch und bodengleicher Dusche vor. Der Waschtisch läuft allein scheinbar normal ab. Doch jedes Mal, wenn das WC gespült wird, gluckert es im Geruchsverschluss des Waschtischs.
Was könnt ihr daraus ableiten? Zunächst nur: Die WC-Spülung beeinflusst den Bereich des Waschtischanschlusses. Mehr noch nicht.
Ihr wisst noch nicht, ob eine Verengung, eine ungünstige Leitungsführung, ein Problem mit der Lüftung oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Also prüft ihr Schritt für Schritt: zuerst den Geruchsverschluss, dann die Anschlussleitung, danach gemeinsam genutzte Leitungsabschnitte und schließlich die Lüftung.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen Raten und fachlicher Fehlersuche.
Fünf Baustellensätze im Check
„Wenn es gluckert, ist das Rohr verstopft.“ Nicht zwingend. Eine Verstopfung ist eine mögliche Ursache. Auch Druckschwankungen können Gluckergeräusche verursachen.
„Je mehr Gefälle, desto besser.“ So pauschal stimmt das nicht. Für verschiedene Leitungsarten gelten festgelegte Mindestgefälle und Bemessungsregeln.
„Ein größeres Rohr ist immer sicherer.“ Nein. Bei unnötig großem Querschnitt können bei geringer Abwassermenge Wasserhöhe, Füllungsgrad und Fließgeschwindigkeit sinken. Dadurch können Feststoffe schlechter mitgenommen und Ablagerungen begünstigt werden.
„Ein Belüftungsventil ersetzt die Lüftung über Dach.“ Nicht allgemein. Das Ventil kann Luft einlassen, die Entwässerungsanlage aber nicht ins Freie entlüften.
„Wenn der Waschtisch gluckert, liegt dort auch der Fehler.“ Nicht unbedingt. Dort hört ihr das Symptom. Die Ursache kann an einer anderen Stelle der Anlage liegen.
Das solltet ihr euch merken
Bei einer funktionierenden Entwässerungsanlage müssen Rohrdimension, Gefälle, Leitungsführung, Geruchsverschlüsse sowie Be- und Entlüftung zusammenpassen. Für unbelüftete Einzelanschlussleitungen könnt ihr euch vier wichtige Werte merken:
4 m – 1 % – drei 90°-Umlenkungen – 1 m
Also maximal 4 m Leitungslänge, mindestens 1 % Gefälle, höchstens drei 90°-Umlenkungen ohne Anschlussbogen und maximal 1 m Höhendifferenz.
Noch wichtiger als das Auswendiglernen ist das Verständnis: In einer Schmutzwasserleitung bewegt sich nicht nur Wasser. Auch Luft braucht einen Weg.
Und bei der Fehlersuche gilt: Wo ihr ein Problem bemerkt, muss nicht seine Ursache liegen.
Beobachtet deshalb zuerst, grenzt den betroffenen Bereich ein und prüft anschließend systematisch Geruchsverschluss, Leitung und Lüftung.
Dann wird aus einem rätselhaften Gluckern eine lösbare Aufgabe.
Normenhinweis
Für Schmutzwasseranlagen innerhalb von Gebäuden sind insbesondere DIN EN 12056-2 „Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden – Teil 2: Schmutzwasseranlagen, Planung und Berechnung“ sowie in Deutschland ergänzend DIN 1986-100 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke“ zu beachten.
Der Beitrag vermittelt Grundlagen für Ausbildung und Baustellenpraxis. Für die konkrete Planung und Bemessung gelten die jeweils aktuellen Normen, Planungsunterlagen und Herstellerangaben.
1 Das Sperrwasser trennt die Raumluft von der Luft in der Entwässerungsanlage.
2 Vier Meter sind eine normativ festgelegte Anwendungsgrenze. Wird die Grenze überschritten, liegt die Leitung außerhalb der Anwendungsgrenzen für die unbelüftete Ausführung.
3 Hängt das Rohr zwischen zwei Befestigungspunkten durch, entsteht ein Tiefpunkt. Dort kann Wasser stehen bleiben.
4 Auf Rohrleitungen findet ihr Bezeichnungen wie DN 40, DN 50 oder DN 100. DN bedeutet Nennweite.
5 Die Lüftung über Dach ist kein überflüssiger Leitungsabschnitt, sondern Teil des Entwässerungssystems.
6 Kunststoffrohre können sich bei Temperaturänderungen verlängern oder verkürzen. Wie diese Bewegung aufgenommen wird, gibt der Hersteller vor.
7 Bei einer funktionierenden Entwässerungsanlage müssen Rohrdimension, Gefälle, Leitungsführung, Geruchsverschlüsse sowie Be- und Entlüftung passen.
Praxischeck: Darf diese Leitung unbelüftet bleiben?
Eine Einzelanschlussleitung im System I ist 3,5 m lang. Die liegenden Abschnitte haben 1 % Gefälle. Es gibt zwei 90°-Umlenkungen; der Anschlussbogen am Entwässerungsgegenstand ist dabei nicht mitgezählt. Die Höhendifferenz zwischen dem Anschluss am Entwässerungsgegenstand und der Rohrsohle im Anschlussabzweig an die Fallleitung beträgt 1,2 m.
Passt das für eine unbelüftete Ausführung?
Nein. Länge, Mindestgefälle und Zahl der Umlenkungen liegen innerhalb der genannten Grenzen. Die Höhendifferenz überschreitet jedoch die zulässigen 1 m. Für eine unbelüftete Einzelanschlussleitung müssen alle Bedingungen eingehalten werden. Deshalb muss die Leitungsführung angepasst oder eine geeignete Belüftung geplant werden. Ein günstiger Wert gleicht einen überschrittenen Grenzwert nicht aus.
Baustellencheck: Bevor die Vorwand zugeht
Solange die Installation offen ist, könnt ihr Fehler gut erkennen und korrigieren. Prüft deshalb vor dem Schließen:
- Leitungsweg und Nennweiten: Entspricht die Ausführung der Planung?
- Gefälle: Stimmt es über den gesamten Verlauf? Gibt es Durchhang oder Tiefpunkte?
- Verbindungen: Sind Rohrenden, Dichtungen und Muffen sauber und unbeschädigt?
- Einstecktiefe und Längenausgleich: Wurden die Angaben des jeweiligen Rohrherstellers eingehalten?
- Befestigungen: Passen Schellenabstände und Befestigungsart zum Rohrsystem?
- Lüftung: Sind die vorgesehenen Lüftungsleitungen richtig angeschlossen?
Dokumentiert die offene Installation mit Fotos. Übersichtsaufnahmen und Details von Anschlüssen, Richtungsänderungen und Befestigungen helfen, den Leitungsverlauf später nachzuvollziehen.
Bild: ChatGPT/SBZ Monteur
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