Hallo liebe Rabauken,
mal ehrlich: Wir im SHK-Handwerk sind einiges gewohnt. Hydraulikschemata, die aussehen wie der Stammbaum einer Großfamilie. Kunden, die vor dem Termin dreimal selbst an der Anlage herumprogrammiert haben. Und natürlich den Klassiker: „Gestern ging’s noch.“ Ich wollte wissen, wie meine Kolleginnen und Kollegen im Werkskundendienst mit solchen Situationen umgehen. Also bin ich einen Tag lang mit dem Werkskundendienst von Stiebel Eltron auf Tour gegangen.
Wer glaubt, Servicetechniker würden den ganzen Tag nur Bauteile tauschen, liegt ungefähr so richtig wie jemand, der denkt, eine Wärmepumpe heizt mit Feenstaub. Schon beim ersten Einsatz ging es ans Eingemachte: Betriebsdaten auslesen, Einstellungen prüfen und herausfinden, wo die Ursache steckt. Liegt es an der Wärmepumpe, an der Hydraulik oder an der Regelung? Oder hat jemand am Regler etwas verstellt? Die Wärmepumpe selbst war diesmal unschuldig.
Genau das fand ich spannend. Eine Fehlermeldung ist erst einmal ein Hinweis. Was tatsächlich dahintersteckt, muss man herausfinden. Dafür braucht es Fachwissen und einen Blick auf das gesamte Heizsystem. Wer sich sofort auf ein vermeintlich defektes Bauteil einschießt, übersieht womöglich den entscheidenden Zusammenhang. Also erst verstehen, was die Anlage macht, und dann den nächsten Schritt festlegen.
Dabei müssen die Kolleginnen und Kollegen einiges zusammenbringen. Sie brauchen Kenntnisse über die Geräte, die Hydraulik und die Regelungstechnik. Dazu kommt der Umgang mit den Kunden. Wenn jemand sagt, seine Heizung mache „gar nichts mehr“, muss man nachfragen: Was genau funktioniert nicht? Seit wann? Und was wurde zuletzt verändert? Anschließend gilt es, die Zusammenhänge verständlich zu erklären. Da ist neben dem Messgerät manchmal Fingerspitzengefühl gefragt.
Zum Arbeitsalltag gehören außerdem Inbetriebnahmen, Optimierungen und die Einweisung der Kunden. Genau diese Mischung macht den Job abwechslungsreich. Die Technik ist jedes Mal in eine andere Anlage eingebunden, und damit stellen sich immer wieder neue Fragen. Wer gern tüftelt, findet hier reichlich Stoff für den Kopf.
Besonders interessant war für mich die Zusammenarbeit mit dem Fachhandwerk. Bei kniffligen Fragen kann der Werkskundendienst mit seinem Wissen über die jeweiligen Geräte unterstützen. Das funktioniert am besten, wenn sich alle gut austauschen. Welche Symptome sind aufgetreten? Wie ist die Anlage aufgebaut? Was wurde schon geprüft? Solche Informationen helfen, die Ursache gezielt einzugrenzen. Am Ende wollen wir alle, dass die Anlage beim Kunden zuverlässig läuft.
Für euch als Azubis und Jungmonteure steckt darin eine gute Gelegenheit zum Lernen. Wenn ihr bei einer Fehlersuche dabei seid, schaut genau hin und fragt nach. Warum wird dieser Wert geprüft? Was sagt diese Einstellung aus? Weshalb kann ein Problem in der Hydraulik wie ein Gerätefehler aussehen? Solche Fragen helfen euch, Zusammenhänge zu verstehen. Das bringt euch beim nächsten Einsatz im eigenen Betrieb weiter.
Der Tag hat mir außerdem gezeigt, wie vielseitig die beruflichen Wege in unserer Branche sind. Wer später tiefer in die Diagnose und Regelungstechnik einsteigen möchte, kann auch eine Tätigkeit im Werkskundendienst ins Auge fassen. Dort können neben erfahrenen SHK-Profis auch Menschen aus angrenzenden technischen Berufen eine Perspektive finden. Dazu braucht es die passenden Fachkenntnisse und die Bereitschaft, sich in die Technik einzuarbeiten.
Nach meinem Tag auf Tour steht für mich fest: Wer bei Fehlercodes nicht gleich Schnappatmung bekommt und gern einer Ursache auf den Grund geht, kann an diesem Job eine Menge Spaß haben. Mich reizt vor allem der Moment, in dem aus einer rätselhaften Störung eine nachvollziehbare Ursache wird. Dann weiß man, warum die Anlage streikt, und kann gezielt an die Lösung gehen. Genau dieses Verstehen gehört für mich zum Spaß an unserem Gewerk.
Eure Sandra
P. S.: Einblicke in meinen Tag beim Werkskundendienst findet ihr auf meinem Account @sandra_hunke.
1 Wer glaubt, Servicetechniker würden den ganzen Tag nur Bauteile tauschen, liegt ungefähr so richtig wie jemand, der denkt, eine Wärmepumpe heizt mit Feenstaub.
2 Erst verstehen, was die Anlage macht, und dann den nächsten Schritt festlegen.
3 Wenn ihr bei einer Fehlersuche dabei seid, schaut genau hin und fragt nach.