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Schallemissionen von Wärmepumpen Teil 1

Eine Forderung hören die großen Hersteller häufig aus der Branche: „Baut die Wärmepumpen doch einfach so, dass der Schall keine Rolle mehr spielt!“ Technisch ließe sich der Wunsch erfüllen, wenn zwei andere Anforderungen keine Rolle spielen würden: die Effizienz und die Abmessungen. Zusammen mit den Schallemissionen bilden sie ein Dreieck. Ändert sich einer dieser Werte, hat das direkte Auswirkungen auf die anderen. Eine Wärmepumpe, die effizienter arbeitet, muss zum Beispiel in der Regel lauter oder größer werden. Die Hersteller müssen diese Anforderungen bei der Entwicklung ihrer Geräte aufeinander abstimmen. Bei der Effizienz ist das den großen Herstellern offenbar besonders gut gelungen. Ihre Werte unterscheiden sich meist nur noch geringfügig.

Deshalb hat die Effizienz als Unterscheidungsmerkmal zwischen Wärmepumpen tendenziell an Bedeutung verloren. Wichtiger geworden sind die Fragen, ob sich ein Gerät am vorgesehenen Ort aufstellen lässt, und seine Schallemissionen. „Was nutzt das letzte Zehntel an einer höheren Effizienz im Vergleich zu anderen Wärmepumpen, wenn eine Aufstellung aufgrund des großen Schutzbereiches oder einer zu hohen Lautstärke nicht machbar ist“, sagt Dr. Alexander Linder, Leiter Produktmanagement bei Vaillant Deutschland. Der Schutzbereich umfasst die notwendigen Sicherheitsabstände für das Kältemittel R290, das inzwischen nahezu standardmäßig eingesetzt wird.

So entstehen Schallemissionen

In einer Luft/Wasser-Wärmepumpe erzeugen mehrere bewegte Bauteile Schall. Dazu gehören vor allem der Ventilator und der Verdichter. Auch die Luftbewegung selbst verursacht Geräusche. Je nach benötigter Leistung strömen große Luftmengen durch die Wärmepumpe beziehungsweise über den Wärmetauscher. Hinzu kommen mögliche Geräusche vom Gehäuse und von weiteren Bauteilen.

Ventilator und Verdichter können das Gehäuse zum Schwingen bringen oder Klappergeräusche auslösen. „Hier hilft ein kurzer Blick auf den Aufbau und die Struktur des Gehäuses“, sagt Dr. Linder. „Handelt es sich um dünnste, einfache Bleche, die lediglich mit wenigen Schrauben befestigt sind, reicht bereits ein prüfender Handgriff, ob sich das Gehäuse leicht in Schwingungen versetzen lässt.“

Kritische Frequenzen gezielt ausblenden

Unerwünschte Geräusche können besonders dann entstehen, wenn der Verdichter auf die benötigte Leistungsstufe hochfährt. „Unsere Wärmepumpen fahren deswegen nur sehr langsam über einen Zeitraum von ca. zwei Minuten auf die volle Leistungsstufe“, sagt Dr. Linder. Auch bei der Konstruktion des Geräts müssen die Eigenfrequenzen gezielt ausgeschaltet werden. Bei bestimmten Drehzahlen entstehen in jeder Wärmepumpe Frequenzen, die eine Eigenresonanz auslösen und das Gehäuse zum Schwingen bringen. „Wir prüfen deswegen bereits gezielt in der Entwicklung einer Wärmepumpe, bei welchen Frequenzen die Eigenfrequenzen des Systems angeregt werden sowie Resonanzeffekte auftreten können und sorgen softwareseitig dafür, dass sowohl Kompressor als auch Ventilator diese Frequenzen schnell überfahren. Darüber hinaus sind unsere Kundendienst-Techniker in der Lage, über die Software gezielt weitere Frequenzen auszublenden, die eventuell durch bauliche Gegebenheiten am jeweiligen Objekt kritisch werden könnten“, erläutert Dr. Linder.

Zum Stand der Technik gehört außerdem, dass Hersteller den Verdichter weitgehend kapseln. So sollen möglichst wenige Geräusche nach außen gelangen. Das Gehäuse des Außengeräts sollte zusätzlich mit Schalldämmmatten ausgekleidet sein. Die Rohrführung im Gerät sollte möglichst einfach aufgebaut sein, damit die Rohre nicht in Schwingungen geraten können. Auch Schwingungsdämpfer sind sinnvoll.

Ebenso wichtig ist die Luftführung. Der Luftstrom sollte möglichst gerade und ohne störende Hindernisse durch das Gehäuse geführt werden. Die Lamellen vor dem Ventilator und am Wärmetauscher sollten dabei keine zusätzlichen Strömungs- oder Pfeifgeräusche verursachen.

Grundsätzlich unterscheidet man Luftschall und Körperschall. Luftschall breitet sich durch die Luft aus und gelangt direkt von der Schallquelle zum Zuhörer. Beispiele dafür sind Ventilatorgeräusche einer Wärmepumpe oder Strömungsgeräusche in Lüftungskanälen. Körperschall entsteht dagegen, wenn Schwingungen in feste Bauteile übertragen werden. Eine Umwälzpumpe kann zum Beispiel Rohrleitungen zum Schwingen bringen. Über Wände oder Decken werden diese Schwingungen weitergeleitet. Die Suche nach der Ursache wird dadurch oft schwierig: Der Körperschall kann an einer ganz anderen Stelle im Gebäude wieder als hörbarer Luftschall auftreten. Die Geräuschquelle liegt dann häufig weit von dem Ort entfernt, an dem du das Geräusch hörst.

Schalldruck und Schallleistung unterscheiden

Alle Hersteller machen Angaben zu den Schallemissionen ihrer Luft/Wasser-Wärmepumpen. Für die Beurteilung gibt es bekannte Messgrößen. Du musst allerdings unterscheiden, welcher Wert angegeben ist: der Schalldruckpegel oder der Schallleistungspegel. Beide werden in dB(A) angegeben, weshalb sie leicht verwechselt werden. Sowohl in der TA Lärm als auch auf den Energieeffizienzlabeln für Luft/Wasser-Wärmepumpen nach der Ökodesign-Richtlinie ist der Schallleistungspegel maßgeblich. Häufig wird aber auch ein Schalldruckpegel genannt, ohne die nötigen Zusatzinformationen. Dr. Linder erklärt: „Wir haben in Physik gelernt, dass gleiche Einheiten auch verglichen und verrechnet werden können. Das ist bei dB(A) aber nicht direkt der Fall. Hier muss ich schauen um welchen Wert es sich handelt. Man kann zwar von dem einen zum anderen Wert umrechnen, aber man darf die Werte nie direkt vergleichen und daraufhin eine Kaufentscheidung treffen.“

Der Schalldruck beschreibt das Geräusch an einem bestimmten Ort und wird dort gemessen. Er hängt vom Abstand zur Schallquelle, vom Aufstellort und von der Umgebung ab. Mit zunehmendem Abstand nimmt er in der Regel ab, weil sich der Schall auf eine größere Fläche verteilt. Auch schallabsorbierende Flächen verringern ihn. Der Schalldruck allein eignet sich deshalb nicht dazu, die akustischen Eigenschaften eines Geräts zu beschreiben. Er ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Gerät, Aufstellort und der Position des Zuhörers.

Die Schallleistung ist dagegen die gesamte Leistung des Schalls, die eine Quelle abgibt. Sie ist unabhängig von der Entfernung, vom Aufstellort und von der Umgebung. Diese raum- und richtungsunabhängige Leistung ist notwendig, um Schalldruckwellen zu erzeugen. Sie lässt sich zum Beispiel durch Integration der Schalldrücke über eine Hüllfläche um die Geräuschquelle bestimmen.

Zum Verständnis hilft der Vergleich mit einer Lampe. Die Schallleistung entspricht dabei der elektrischen Leistung der Lampe. Eine 60-Watt-Lampe bleibt eine 60-Watt-Lampe, ganz gleich, wo sie installiert ist. Der Schalldruck entspricht in diesem Vergleich der Helligkeit, die du an einem bestimmten Ort wahrnimmst. Je weiter du dich entfernst, desto geringer erscheint die Beleuchtungsstärke. Genau dieser Unterschied wird bei Wärmepumpen häufig übersehen.

In der Praxis wird der Schalldruck eines Geräts häufig zusammen mit den Raum- und Aufstellbedingungen angegeben. Wie genau diese Bedingungen beschrieben sind, unterscheidet sich. Stimmen sie mit den späteren Bedingungen vor Ort überein, ist die Angabe hilfreich. Andernfalls müssen die Schalldruckangaben aufwendig auf die tatsächliche Situation umgerechnet werden. Problematisch wird es, wenn du Werte verschiedener Geräte direkt vergleichst, obwohl sie unter unterschiedlichen Bedingungen ermittelt wurden. Daraus können falsche Schlussfolgerungen entstehen.

Bauherren nehmen häufig an, dass eine Wärmepumpe mit einer Schallleistung von beispielsweise 55 dB(A) an der Grundstücksgrenze automatisch dieselbe Lautstärke verursacht. Tatsächlich nimmt der Schalldruck mit zunehmendem Abstand deutlich ab. Reflexionen und die örtlichen Geländeverhältnisse können das Ergebnis zugleich oft stärker beeinflussen als die eigentliche Geräteleistung.

Wie das Gehör Schall wahrnimmt

Unser Gehör arbeitet logarithmisch. Deshalb werden Unterschiede bei Dezibelangaben häufig falsch eingeschätzt. Drei Dezibel weniger erscheinen zunächst wenig. Dabei halbiert sich bereits die abgestrahlte Schallenergie. Die wahrgenommene Lautstärke halbiert sich jedoch erst bei einer Reduzierung um ungefähr zehn Dezibel. Vergleichsweise kleine Verbesserungen beim Schallschutz können deshalb bereits erheblich dazu beitragen, dass Nutzer mit ihrer Anlage zufrieden sind.

Für die Planung und Montage ist besonders wichtig, wie sich der Schall ausbreitet. Er läuft nie ausschließlich geradlinig, sondern wird reflektiert, gebeugt und teilweise absorbiert. Kritisch sind vor allem Stellen, an denen mehrere schallharte Flächen zusammentreffen. Gebäudeecken, Innenhöfe, Mauern und enge Durchgänge wirken häufig wie akustische Verstärker. Dort kann eine Wärmepumpe deutlich lauter wirken als auf einer freien Fläche, obwohl ihre Geräteleistung gleich geblieben ist.

Schallemissionen als Voraussetzung für die Förderung

Seit Anfang 2026 spielen die Schallemissionen auch bei der KfW-Förderung eine größere Rolle. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) werden Wärmepumpen nur noch gefördert, wenn die Geräuschemissionen ihres Außengeräts mindestens 10 Dezibel (dB) unter den gesetzlichen Vorgaben der EU-Ökodesign-Verordnung liegen. Bis Ende 2025 genügte ein Abstand von 5 dB. Bis 6 kW Heizleistung darf der ErP-Schallleistungspegel nur noch 55 dB betragen, zuvor waren es 60 dB. Von 6 bis 12 kW Heizleistung liegt der Wert bei 60 dB statt zuvor 65 dB. Über 12 bis 30 kW Heizleistung beträgt der Grenzwert 68 dB. Über 30 bis 70 kW Heizleistung sind 78 dB zulässig. Wärmepumpen mit höheren Schallemissionen dürfen weiterhin verkauft und eingebaut werden. Sie erfüllen aber nicht mehr die Voraussetzungen für die staatliche KfW-/BEG-Förderung.

Herstellerangaben sorgfältig vergleichen

In der Praxis lassen sich die Schallangaben verschiedener Hersteller nur bedingt vergleichen. Die Angaben beruhen auf unterschiedlichen Vorgaben, Regeln und Bewertungsverfahren. Die ErP-Schallpegel ermöglichen zwar eine gewisse Vergleichbarkeit. Vor allem solltest du aber den maximalen Schallpegel im Tag- und im Nachtbetrieb beachten. Diese Werte findest du im Schallrechner des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP). Für Fachhandwerker ist wichtig: Genau diese beiden Messpunkte und Angaben sind nach TA Lärm bei möglichen Rechtsstreitigkeiten aussagekräftig.

Warum sind die maximalen Schallpegel nach BWP wichtiger als die ErP-Daten? Noch vor einigen Jahren lagen beide Angaben höchstens 1 oder 2 dB(A) auseinander. Inzwischen können es rund 10 dB(A) sein. Das liegt an den Grundlagen der Berechnung. Die ErP-Schallwertmessung beruht noch auf älteren Wärmepumpen mit On-/Off-Verdichtern. Diese Geräte waren entweder ausgeschaltet oder liefen mit voller Leistung. Anders als bei heutigen Inverter-Verdichtern spielten die zugrunde gelegten Werte deshalb kaum eine Rolle.

Ein fester dB(A)-Wert, ab dem eine Wärmepumpe als leise gilt, lässt sich kaum nennen. Wie ihre Geräusche empfunden werden, hängt von der Situation und vom Standort ab. Wichtig ist außerdem, dass keine Tonalität auftritt, also keine störenden Geräusche in bestimmten Frequenzbereichen. Hersteller wie Vaillant achten besonders darauf und begegnen den unvermeidbaren Eigenfrequenzen mit einer entsprechend ausgelegten Regelungstechnik.

Für die Beurteilung gibt es deshalb keinen festen, allgemein gültigen dB(A)-Wert. Entscheidend ist, dass die Werte nach TA Lärm und Lärmschutz-Richtlinie (LRI) eingehalten werden. Hinzu kommen regionale oder örtliche Vorgaben. Genehmigungsbehörden und Bebauungspläne können weitere Anforderungen enthalten, zum Beispiel Sicherheitszuschläge oder strengere Auflagen. Als Fachhandwerker musst du dich deshalb über die Vorschriften am jeweiligen Installationsort informieren und regelmäßig prüfen, ob sie sich geändert haben. Grundsätzlich hat der Betreiber einer Wärmepumpe nach TA Lärm eine Schutzpflicht gegenüber dem Nachbarn. Der Nachbar muss daher nicht nachweisen, dass die Anlage zu laut ist. Der zweite Teil dieser Serie behandelt die ­Praxis: Dort geht es darum, wie du Schallemissionen bei der Planung, Aufstellung und Montage einer
Luft/Wasser-Wärmepumpe reduzieren kannst.

Fazit

Schallschutz gehört heute zur fachgerechten Planung und Montage einer Wärmepumpe. Wer die physikalischen Zusammenhänge kennt und früh berücksichtigt, kann spätere Reklamationen vermeiden und den Wohnkomfort dauerhaft verbessern. Gerade bei schwierigen Aufstellsituationen mit enger Bebauung werden die Schallemissionen immer wichtiger.

1 Eine Wärmepumpe, die effizienter arbeitet, muss in der Regel lauter oder größer werden.

2 Ventilator und Verdichter können das Gehäuse zum Schwingen bringen oder Klappergeräusche auslösen.

3 Zum Stand der Technik gehört, dass Hersteller den Verdichter weitgehend kapseln. So sollen möglichst wenige Geräusche nach außen gelangen.

4 In der Praxis wird der Schalldruck eines Geräts häufig zusammen mit den Raum- und Aufstellbedingungen angegeben.

5 Schall läuft nie ausschließlich geradlinig, sondern wird reflektiert, gebeugt und teilweise absorbiert.

6 Schallschutz gehört zur fachgerechten Planung und Montage einer Wärmepumpe. Wer die physikalischen Zusammenhänge kennt und früh berücksichtigt, kann spätere Reklamationen vermeiden.

Schallangaben und Schallmessungen

Luftschall entsteht durch geringe Druckänderungen, die sich mit der Zeit verändern und dem statischen Luftdruck überlagert sind. Sie werden als zeitlich gemittelter Effektivwert innerhalb eines Frequenzbandes angegeben. Zur Beschreibung dienen die beiden bereits erläuterten Größen Schalldruck Lp(A) und Schallleistung Lw(A). Beide werden in Dezibel (dB) angegeben. Trotz der gleichen Einheit kannst du sie fachlich nicht direkt vergleichen, denn sie sind unterschiedlich definiert. In der Praxis werden beide Größen als Pegel angegeben. Ein Pegel beschreibt das logarithmierte Verhältnis zwischen einem physikalischen Wert und einem Bezugswert. Die Formeln stehen in ­Tabelle 1.

Schalldruck- und Schallleistungsdaten gehören immer zu einem bestimmten Frequenzbereich. Eine Schallangabe nennt die Summe aller Schalldrücke oder Schallleistungen in diesem Bereich. Für diese Summe werden die physikalischen Werte des Schalldrucks (p) beziehungsweise der Schallleistung (W) verwendet, nicht die Pegelwerte in dB. Der Summenpegel für den gesamten Hörfrequenzbereich von 16 Hz bis 16 kHz wird meist kurz als Schallpegel bezeichnet. Bezieht sich der Summenpegel auf eine Oktave oder eine Terz, spricht man von einem Oktavpegel beziehungsweise einem Terzpegel.

Für die Praxis helfen folgende Faustformeln zur Abschätzung:

+3 dB bei zwei gleichen Schallquellen, zum Beispiel einer Kaskade aus zwei Geräten

  • Schallleistungspegel je Gerät: 60 dB(A)
  • Schallleistungspegel je Gerät: 60 dB(A)

+10 dB entsprechen einer gefühlten Verdopplung der Lautstärke

  • Schallleistungspegel zu Beginn: 50 dB(A)
  • Schallleistungspegel bei gefühlter Verdopplung: 60 dB(A)

−8 dB zur Umrechnung vom Schallleistungspegel zum Schalldruckpegel in 1 m Abstand im Freifeld

  • Schallleistungspegel: 60 dB(A)
  • Schalldruckpegel in 1 m Abstand: 52 dB(A)

−6 dB bei einer Verdopplung des Abstands nach dem Abstandsgesetz

Beispiel

L1 = 1m

Schalldruckpegel in 1 m Abstand = 52 dB(A)

L1 = 1m; L2 = 1m; L = L1 + L2

Schalldruckpegel in 2 m Abstand = 46 dB(A)

Tabelle 1

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