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Mein Rücken hat keinen Ersatzteilkatalog

Auf der Baustelle gibt es ein vielseitiges Hilfsmittel: den Satz „Geht schon“. Er ersetzt eine Tragehilfe, macht schwere Bauteile leichter und sorgt dafür, dass man sich irgendwie noch unter den Waschtisch faltet.

Für den Akkuschrauber gibt es einen neuen Akku. Unserem eigenen Körper muten wir dagegen einiges zu: Material schleppen, auf den Knien arbeiten, über Kopf montieren. Und zwischendurch noch schnell etwas allein tragen, weil der Kollege gerade beschäftigt ist.

Gerade am Anfang des Berufslebens scheint Rückengesundheit ein Thema für später zu sein. Für die älteren Kollegen, die beim Aufstehen erst einmal tief durchatmen. Mit zwanzig möchte man schließlich zeigen, was man kann. Anpacken, mithalten, zuverlässig sein.

Das verstehe ich. Und damit wir uns richtig verstehen: Auf den eigenen Körper zu achten heißt nicht, Arbeit zu verweigern oder sich vor anstrengenden Aufgaben zu drücken. Wer eine Tragehilfe holt oder einen Kollegen zum Mittragen bittet, ist weder faul noch ein „Weichei“. Ihr packt weiterhin an – ihr arbeitet nur schlauer.

Zur Routine sollte deshalb von Anfang an gehören, die Belastung ernst zu nehmen. Wer vor dem Transport überlegt, wie ein schweres Bauteil an seinen Platz kommt, denkt voraus. Wer Knieschutz nutzt oder eine günstigere Arbeitshöhe schafft, kümmert sich um sein Arbeitsmittel.

Dazu gehört auch, im Betrieb offen darüber zu sprechen. Ein „Lass uns das zu zweit machen“ sollte genauso selbstverständlich sein wie die Frage nach dem passenden Werkzeug. Erfahrene Kollegen können dabei viel weitergeben: einen Handgriff, den Einsatz einer Transporthilfe oder den Hinweis, eine Arbeit besser vorzubereiten.

Auch die Betriebe sind gefragt. Gute Hilfsmittel müssen verfügbar sein, und ihre Nutzung braucht Platz im Arbeitsablauf. Die beste Tragehilfe bringt wenig, wenn sie im Lager steht.

Unser Beruf fordert den Körper. Umso wichtiger ist es, ihn im Arbeitsalltag mitzudenken – auch dann, wenn gerade alles problemlos geht.

Schaut deshalb beim nächsten Auftrag darauf, wie ihr arbeitet. Vielleicht lässt sich eine Last leichter bewegen oder eine ungünstige Haltung vermeiden.

Euer



Stephan von Oelhafen

Chefredakteur

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