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Wenn‘s Zählt

Die Deutsche Meisterschaft der Anlagenmechaniker SHK ist für mich ein Test fürs Handwerk – nur Arbeit. Und zwar die Sorte, bei der man sofort merkt: Wer hat es wirklich verstanden? Wer kann nicht nur nach Schema F montieren, sondern denken, planen, sauber ausführen – und ruhig bleiben, wenn es eng wird?

Genau das fasziniert mich an so einem Wettbewerb. Auf der Baustelle gibt es immer Faktoren, die man als Ausrede nehmen kann. Bei der Meisterschaft fallen diese weg. Da steht man an der Aufgabe, und am Ende zählt nur, was jeder Monteur kennt: Funktioniert es – sicher, sauber, nachvollziehbar?

Und die Wahrheit ist: Diese Meisterschaft zeigt in wenigen Stunden, was sonst Jahre dauert. Handwerk ist nicht nur machen. Handwerk ist Konzentration. Handwerk ist Reihenfolge. Handwerk ist Schnittstellen verstehen. Und Handwerk ist, in Stressmomenten nicht hektisch zu werden, sondern noch genauer. Wer bei Druck strukturiert bleibt, baut Qualität.

Was ich besonders stark finde: Es geht nicht nur um Geschwindigkeit. Tempo spielt eine Rolle – aber es gewinnt nicht, wer am schnellsten „irgendwas“ hinbekommt. Es gewinnt, wer sauber bleibt. Wer prüft, statt zu hoffen. Wer eine Verbindung nicht „passt schon“ nennt, sondern kontrolliert. Diese Haltung ist der Unterschied zwischen „kann irgendwie“ und „kann richtig“.

Für mich ist die Meisterschaft auch ein Spiegel der Ausbildung. Spitzenleistung fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht, wenn Betriebe investieren: erklären, vormachen, kontrollieren, Feedback geben, Fehler zulassen – und dann gemeinsam besser werden. In einer Zeit, in der alle über Fachkräftemangel reden, ist das die wichtigste Wahrheit: Nachwuchs kommt durch gute Ausbildung.

Ich wünsche mir, dass wir genau diesen Spirit öfter in den Alltag holen: den Stolz auf saubere Arbeit. Den Ehrgeiz, nicht nur „fertig“ zu werden, sondern gut. Und die Klarheit, dass Fehler keine Schande sind – solange man sie findet, versteht und abstellt.

Die Deutsche Meisterschaft ist deshalb mehr als ein Termin im Kalender. Sie ist ein Signal: Das Handwerk kann Spitze. Und es gibt eine Generation, die bereit ist, diese Spitze zu tragen – wenn wir sie fördern und ihnen zeigen, dass Qualität bei uns nicht nur ein Wort ist, sondern ein Anspruch.

Euer

Stephan von Oelhafen
Chefredakteur

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