Ein Fehler ist noch kein Drama: Wer ruhig bleibt, genau hinsieht und die Ursache sucht, kann ein Missgeschick oft schnell korrigieren.
Persönliche Fehler bei der Arbeit passieren schon mal. Wenn du perfektionistisch bist, hast du aber hohe Ansprüche an dich selbst und ärgerst dich auch über kleinere Pannen. Im schlimmsten Fall wertest du den Fehler als Beweis dafür, dass du nicht gut genug warst. Das verunsichert dich, und du würdest dich am liebsten verstecken. Genau dann hilft es, den Vorfall sachlich zu betrachten: Was ist passiert, was ist jetzt zu tun, und was lernst du daraus?
Bei der Arbeit möchtest du dich als kompetent und zuverlässig erleben. Du willst gute Ergebnisse abliefern, sauber arbeiten und zeigen, dass man sich auf dich verlassen kann. Läuft etwas schief, fühlt sich das unangenehm an. Stresshormone machen sich bemerkbar, du wirst nervös und hast vielleicht Angst, dass gleich der nächste Fehler folgt.
Wer aus Angst vor einem Fehler schwierigen Aufgaben aus dem Weg geht, begeht den größten Fehler. (Autor unbekannt)
Bei fehleranfälligen Arbeiten reduzierst du am besten dein Arbeitstempo und planst im Vorfeld mehr Zeit ein. Hohes Tempo und enge Zeitvorgaben erhöhen die Fehlerhäufigkeit. Das ist vergleichbar mit dem Autofahren: Je höher die Geschwindigkeit, desto größer wird das Unfallrisiko. Auch auf der Baustelle helfen eigene Zwischenkontrollen dabei, Fehler rechtzeitig zu erkennen.
Wenn doch etwas passiert, gilt zuerst: Gelassen bleiben. Weil der Vorfall unangenehm ist, beschäftigen sich viele nur mit der schnellen Erledigung und nicht mit der Ursache. Für eine konstruktive Fehleranalyse steht aber genau diese Ursache an erster Stelle. Nur so könnt ihr im Team verhindern, dass sich die gleiche Panne wiederholt.
„Trial and Error“ gehört zum Lernen dazu. Du musst Erfahrungen sammeln, bevor jeder Handgriff sitzt. Vor dem Erfolg steht der Misserfolg: Wer laufen lernen will, muss hinfallen dürfen. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist oft der größere Fehler. Sie führt dazu, dass du dich an schwierige Aufgaben gar nicht erst herantraust. Das betrifft besonders junge Kolleginnen und Kollegen im Team, die noch wenig Erfahrung haben und Kritik fürchten.
Die eigene Panne – wie peinlich!
Ein falscher Griff, die Verwechslung eines Arbeitsschrittes, ein Moment der Unaufmerksamkeit – und schon ist es passiert. In Stoßzeiten und am frühen Nachmittag passieren dir und deinen Kollegen besonders häufig Arbeitsfehler. Dann ist nicht nur das Risiko für Pannen größer. Auch der Zeitaufwand für die Korrektur fällt meist höher aus als im Leistungshoch. Schwierige Arbeiten legt ihr deshalb am besten in die leistungsstarken Phasen, häufig also in den Vormittag.
Fehler werden unterschiedlich erlebt. Der eine bemerkt ihn zunächst gar nicht und arbeitet weiter. Der andere erkennt seinen Fehler sofort und kann korrigieren, bevor die Panne größere Auswirkungen hat. Diese Sensibilität ist wertvoll: Wer ein Missgeschick schnell erkennt und handelt, zeigt Aufmerksamkeit und fachliche Reife.
Häufige Ursachen für Fehler sind mangelnde Konzentration und Arbeitsunterbrechungen. Wenn du dich während einer Tätigkeit gedanklich schon mit einer anderen Aufgabe beschäftigst, unterbrichst du dich selbst. Du bist dann abgelenkt, auch wenn von außen niemand dazwischenfunkt. Bei schwierigen Arbeiten solltest du dich außerdem nicht vom Handy herausreißen lassen.
Hat dein Gehirn zwei Gedanken gleichzeitig zu bearbeiten, springt es ständig zwischen den Themen hin und her. Multitasking funktioniert dabei schlechter, als viele glauben. Wer sich daran gewöhnt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, trainiert sich Oberflächlichkeit an. Gute Arbeit verlangt volle Konzentration.
Systematische Fehlerabstellung in vier Schritten:
Beschreibung des Fehlers: Wo und wann ist er aufgetreten? Wie oft kam er in der Vergangenheit vor? Welche Auswirkungen hat der Fehler?
Sofortmaßnahmen: Welche Akutmaßnahmen sind zu treffen, damit eine Ausweitung des Problems verhindert werden kann?
Analyse der Ursache: Wieso ist der Fehler aufgetreten? Wie hätte ich ihn im Vorfeld verhindern können? Was waren die Einflussfaktoren?
Abstellmaßnahmen: Was muss getan werden, damit zukünftig Pannen vermieden werden?
„Ein Fehler ist nichts anderes als die Abweichung vom optimalen Arbeitsergebnis. Es zeigt sich lediglich, dass noch etwas fehlt“, hört ihr immer wieder. Pannen lassen sich nicht immer vermeiden. Entscheidend ist deshalb, wie ihr mit ihnen umgeht. Sie können sogar hilfreich sein, weil sie Entwicklungsmöglichkeiten und Lernfelder sichtbar machen.
In einer funktionierenden Fehlerkultur geht es nicht zuerst um die Suche nach einem Schuldigen, sondern um die Ursache der Panne. Aus Zeitmangel wird darauf oft verzichtet. Genau dadurch steigt die Gefahr, dass sich der Fehler wiederholt. Je kleiner die Auswirkungen erscheinen, desto leichtfertiger wird manchmal damit umgegangen. Dabei lohnt sich gerade bei kleinen Pannen der Blick auf Prävention.
Die Sensibilität, ein Missgeschick schnell zu erkennen und zu handeln, darfst du als positives Signal werten. Doppelte Sorgfalt und ein reduziertes Arbeitstempo sind geeignete Maßnahmen, um die Fehlerquote zu senken. Offen mit einem Fehler umzugehen, zeigt Größe und schafft Respekt bei den Kollegen und auch bei deinem Chef.
Bei schwierigen Arbeiten reduzierst du dein Tempo und planst im Vorfeld mehr Zeit ein. Viele Fehler entstehen durch hohes Arbeitstempo, enge Zeitvorgaben oder unklare Abläufe. Eigene Zwischenkontrollen helfen dir, Fehler rechtzeitig zu erkennen. Denn jede Korrektur kostet Zeit. Bei Pannen heißt es deshalb: Frust und Enttäuschung sind verständlich, aber sie helfen nicht weiter. Sachlichkeit hilft.
Schwierige Arbeiten erledigen
... Ablenkungen und Arbeitsunterbrechungen vermeiden.
... Leistungshoch am Vormittag nutzen.
... Arbeitstempo verringern.
... Zusätzliche Zwischen-Kontrollen vornehmen.
... Bei Überforderung Arbeiten delegieren.
Shit happens – ein Fehler ist passiert
Im Team macht ihr euch gegenseitig auf Arbeitsfehler aufmerksam, zum Beispiel auf eine umständliche oder unnötig aufwendige Arbeitsweise. Einen Fehler des Kollegen einfach zu ignorieren, ist ebenfalls ein Fehler.
Kritische Hinweise anzunehmen, ist für die weitere Zusammenarbeit konstruktiv. Der kritisierte Kollege sollte nicht sofort zurückschießen nach dem Motto: „Das sagt gerade der Richtige. Machst du denn immer alles richtig?“ Wenn die Kritik berechtigt ist, reagierst du besser anders: Gib den Fehler zu, steh zur Panne und kläre dann, wie ihr sauber weitermacht. Das verschafft dir Respekt.
Bei Kundenkontakt ist zusätzlich Fingerspitzengefühl gefragt. Kläre bei Bedarf telefonisch mit dem Büro, wie du am besten reagierst. Verzichte auf leere Floskeln wie „Das tut mir leid“, wenn sie nur automatisch klingen. Besser ist eine sachliche Reaktion: „Ich weiß, das ist ärgerlich, und ich verstehe Ihre Kritik.“ Damit zeigst du, dass du die Situation ernst nimmst.
Wenn bei dir etwas schiefläuft, solltest du die Schuld nicht auf andere schieben. Kritik vom Kollegen darfst du nicht als Vorwurf sehen, sondern auch als Hinweis, wie es richtig geht. Reguliere deine Gefühle und halte die Emotionen im Griff. In einer Kritik können Verbesserungsvorschläge stecken. Auch deinem Kollegen macht es keinen Spaß, dich auf einen Arbeitsfehler hinzuweisen. Besser, er spricht direkt mit dir über deine Panne, als hintenherum mit anderen darüber zu reden.
Gemeinsam aus Fehlern lernen
„Dumme Menschen machen immer wieder die gleichen Fehler, intelligente machen immer wieder neue Fehler“ (Götz Werner, Gründer der dm-Drogerien). Entscheidend ist die frühe Erkennung eines Fehlers und das sofortige Reagieren. Riskante Arbeiten sind eine Herausforderung. Sie zeigen Leistungsgrenzen, Überforderung und Lernfelder auf.
Die richtigen Gedanken bei deinem Fehler lauten: Ich stehe dazu, suche nicht nach Ausreden, sondern nach Maßnahmen, damit es künftig nicht wieder passiert. Das fällt dir leichter, wenn Arbeitgeber und Kollegen hinter dir stehen, keine Szene machen und nicht nachtragend sind. Genau so entsteht eine Fehlerkultur, in der ihr im Team besser werdet.
Ein Fehler ist noch kein Drama: Wer ruhig bleibt, genau hinsieht und die Ursache sucht, kann ein Missgeschick oft schnell korrigieren.
Fehler offen ansprechen, gemeinsam prüfen, besser lösen: Im Team lassen sich Missgeschicke oft schneller erkennen und nachhaltig abstellen.
Bild: ChatGPT/SBZ Monteur
Fehler offen ansprechen, gemeinsam prüfen, besser lösen: Im Team lassen sich Missgeschicke oft schneller erkennen und nachhaltig abstellen.
Autor
Dipl.-Betriebswirt Rolf Leicher
ist Fachautor und Referent Telefon: (0 62 21) 80 48 8