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Chef sein kann jeder. Gute Leute führen nicht.

Auf vielen Baustellen läuft Führung immer noch nach dem alten Muster: Der Chef entscheidet, der Monteur macht. Solange keiner laut meckert, wirkt das für manche Betriebe erstmal völlig in Ordnung. Aber genau da liegt das Problem. Nur weil sich niemand beschwert, heißt das noch lange nicht, dass die Führung passt.

Denn mal ehrlich: Du kannst auf Dauer nur so gut arbeiten, wie du geführt wirst. Wenn Kunden im Betrieb höchste Priorität genießen, Mitarbeiter aber nur irgendwie mitlaufen, läuft etwas schief. Wer jeden Kunden hofiert, aber für seine Monteure keine Zeit hat, verschenkt Leistung, Motivation und am Ende oft auch gute Leute.

Autorität allein zieht heute nicht mehr

Viele jüngere Mitarbeiter ticken anders als die Generationen davor. Sie wollen nicht einfach nur gesagt bekommen, was sie zu tun haben. Sie wollen verstehen, warum etwas gemacht wird. Sie wollen mitdenken, mitreden und merken, dass ihre Arbeit zählt. Respekt entsteht heute nicht mehr allein durch Hierarchie, sondern vor allem durch Haltung, Fairness und Klarheit.

Deshalb funktioniert in vielen Betrieben der klassische Chef von früher immer schlechter. Gefragt ist heute eher der Teamleiter. Einer, der Verantwortung übernimmt, aber nicht alles von oben herab regelt. Einer, der führen kann, ohne ständig den Chef raushängen zu lassen. Einer, der zuhört, Entscheidungen erklärt und sein Team mitnimmt.

Das hat nichts mit Kuschelkurs zu tun. Gute Teamleitung heißt nicht, dass jeder machen kann, was er will. Es heißt nur: Erst reden, dann entscheiden. Erst einordnen, dann anweisen. Und vor allem: den Menschen sehen, nicht nur die Arbeitskraft.

Gute Führung merkst du im Alltag

Ob ein Chef wirklich führen kann, zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern im normalen Arbeitstag. Zum Beispiel dann, wenn es stressig wird. Wenn Termine eng sind. Wenn etwas schiefläuft. Wenn ein Kunde Druck macht. Genau dann zeigt sich, ob jemand nur Ansagen verteilt oder wirklich führt.

Ein guter Teamleiter teilt dir nicht einfach blind Aufgaben zu. Er schaut, was du kannst, wo du sicher bist und wo du Unterstützung brauchst. Er überfordert dich nicht ständig, lässt dich aber auch nicht mit einfachen Routinejobs stehen, wenn du mehr draufhast. Er kennt sein Team und setzt Leute passend ein.

Dazu gehört auch Anerkennung. Früher hieß es oft: „Nicht geschimpft ist Lob genug.“ Heute funktioniert das nicht mehr. Wer sich reinhängt, will das auch merken. Nicht jeden Tag mit Applaus, aber durch ehrliches Feedback, Vertrauen und fairen Umgang. Gute Leistung darf nicht einfach als selbstverständlich abgehakt werden.

Auf Augenhöhe heißt nicht ohne klare Linie

Viele verwechseln moderne Führung mit Beliebigkeit. Aber ein Teamleiter muss sich nicht kleinmachen. Im Gegenteil: Er muss Haltung zeigen. Gerade wenn es schwierig wird. Wenn es Konflikte gibt, wenn ein Auftrag kippt, wenn Termine reißen oder wenn jemand seine Verantwortung nicht übernimmt.

Führung auf Augenhöhe bedeutet nicht, dass immer alle einer Meinung sein müssen. Es bedeutet, dass du ernst genommen wirst. Dass deine Sicht gehört wird. Dass Entscheidungen nachvollziehbar sind. Und dass der Verantwortliche auch dann noch souverän bleibt, wenn es unangenehm wird.

Genau das erwarten viele Monteure heute: kein autoritäres Durchregieren, aber auch keinen unsicheren Wackelkurs. Sie wollen jemanden, der klar sagt, wo es langgeht, dabei aber fair bleibt.

Mitarbeiterorientierung ist kein Extra

Viele Betriebe sprechen ständig über Kundenorientierung. Das ist wichtig, keine Frage. Aber Mitarbeiterorientierung ist genauso wichtig. Denn wer saubere Arbeit, Einsatzbereitschaft und Verlässlichkeit erwartet, muss auch selbst verlässlich führen.

Dazu gehört, sich in die Lage des Monteurs hineinzuversetzen. Wie sieht sein Tag aus? Wo drückt der Schuh? Wo fehlt Information? Wo entstehen unnötige Reibungen? Gute Führung heißt, nicht nur den Auftrag im Blick zu haben, sondern auch die Leute, die ihn am Ende sauber umsetzen müssen.

Besonders wichtig ist dabei Fairness. Nichts vergiftet das Betriebsklima schneller als Bevorzugung. Wenn immer dieselben die guten Aufträge bekommen, dieselben Recht haben oder dieselben durchgewunken werden, merkt das jedes Team sehr schnell. Gute Führung behandelt nicht alle gleich im mathematischen Sinn, aber gerecht.

Typisch Teamleitung

Die moderne Art zu führen ist für dich vor allem dann gut, wenn sie im Alltag spürbar wird. Also nicht nur als schöner Satz auf der Betriebsfeier, sondern morgens in der Werkstatt, auf der Baustelle und im Gespräch nach Feierabend. Natürlich läuft Führung in der Praxis selten in Reinform. Je nach Situation braucht es auch mal klare Ansagen. Gerade wenn es um Sicherheit, Termine oder Verantwortung geht.

Trotzdem bleibt der Unterschied entscheidend: Wird Führung genutzt, um Menschen klein zu halten? Oder um sie stark zu machen? Manche Mitarbeiter wollen tatsächlich am liebsten nur genaue Anweisungen und sonst nichts. Dann muss Führung auch das auffangen. Aber auf Dauer ist ein Betrieb stärker, wenn Monteure mitdenken, Verantwortung übernehmen und sich als Teil des Ganzen sehen.

Das Wir-Gefühl entscheidet oft mehr als Geld

Natürlich ist Geld wichtig. Aber es ist nicht alles. Wer sich im Betrieb als wichtiger Teil der Mannschaft fühlt, arbeitet anders. Motivierter. Verlässlicher. Oft auch engagierter. Das Wir-Gefühl ist kein weicher Wohlfühlbegriff, sondern ein echter Leistungsfaktor.

Denn wer sich mit dem Betrieb identifiziert, sagt nicht nur: „Ich muss das jetzt machen.“ Sondern eher: „Ich will, dass das hier gut läuft.“ Genau dieser Unterschied ist entscheidend. Motivation entsteht nicht nur durch Vorgaben, sondern durch Beteiligung, Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden.

Dazu gehören oft auch Kleinigkeiten, die im Alltag viel ausmachen. Ein ehrliches Danke. Ein offenes Ohr. Eine Einladung zum Essen mit dem Team. Ein gemeinsamer Grillabend. Oder einfach die Gratulation zum Geburtstag. Das klingt unspektakulär, hat aber oft mehr Wirkung als die nächste große Motivationsrede.

Information ist auf der Baustelle Gold wert

Einer der häufigsten Frustpunkte in Betrieben ist nicht zu viel Information, sondern zu wenig. Wenn Abläufe geändert werden, wenn sich Zuständigkeiten verschieben oder wenn Entscheidungen einfach nicht erklärt werden, entsteht Unsicherheit. Und Unsicherheit kostet Zeit, Nerven und am Ende oft auch Qualität.

Wer Monteure ernst nimmt, informiert sie rechtzeitig und vollständig. Gerade auf der Baustelle ist Klarheit Gold wert. Denn dort muss entschieden, reagiert und umgesetzt werden. Wer erst vor Ort merkt, dass wichtige Informationen fehlen, hat schnell Stress im Team und Ärger mit dem Kunden.

Ich muss oder ich will?

Autoritär geführte Mitarbeiter denken oft: „Ich muss das jetzt machen, weil es angeordnet wurde.“ Das funktioniert eine Zeit lang. Mehr aber auch nicht. Deutlich besser ist es, wenn daraus wird: „Ich will das jetzt sauber erledigen, weil es sinnvoll ist und weil ich dahinterstehe.“

Genau da liegt der Unterschied zwischen bloßem Abarbeiten und echter Motivation. Wer überzeugt ist, übernimmt eher Verantwortung, arbeitet sauberer und bringt sich stärker ein. Nicht weil er muss, sondern weil er will.

Führung braucht Nähe, aber keinen Streichelzoo

Trotz allem darf man moderne Führung nicht romantisieren. Ein Betrieb ist kein Streichelzoo. Es geht nicht darum, immer nur nett zu sein. Es geht darum, klar, fair und wirksam zu führen. Monteure wollen nicht betüddelt werden. Sie wollen gute Rahmenbedingungen, Respekt, Verlässlichkeit und das Gefühl, dass ihre Arbeit zählt.

Am Ende ist genau das die eigentliche Aufgabe eines guten Teamleiters: Menschen so zu führen, dass sie ihren Beitrag zum Betriebserfolg leisten können und auch leisten wollen. Wer das schafft, hat nicht nur bessere Stimmung im Team, sondern oft auch bessere Leistung auf der Baustelle.

1 Du kannst auf Dauer nur so gut arbeiten, wie du geführt wirst.

2 Gefragt ist heute eher der Teamleiter. Einer, der Verantwortung übernimmt, aber nicht alles von oben herab regelt.

3 Führung auf Augenhöhe bedeutet, dass du ernst genommen wirst.

4 Einer der häufigsten Frust-punkte in Betrieben ist zu wenig Information.

Unterschiedliche Führungsstile

  • autoritär: Führung aufgrund von Anweisungen
  • teamorientiert: Konzentration auf ein funktionierendes Team
  • motivierend: Motivation der Mitarbeiter für die Betriebsziele steht im Mittelpunkt
  • delegierend: Grundsatz ist die Delegation von Aufgaben und Verantwortung
  • situativ: Auf unterschiedliche Situation des einzelnen besonders eingehen
  • coachend: Vorgesetzte in der Rolle des Coaches

Der Teamleiter gibt die Richtung vor, bindet seine Monteure aber in Entscheidungen und Lösungen ein.

Bild: ChatGPT/SBZ Monteur

Der Teamleiter gibt die Richtung vor, bindet seine Monteure aber in Entscheidungen und Lösungen ein.

Autor

Dipl.-Betriebswirt Rolf Leicher
ist Fachautor und Referent
Telefon: (0 62 21) 80 48 8

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