Wenn dein Kollege sich bei der Arbeit ärgert und tobt, kannst du es ignorieren oder ihn direkt ansprechen. Manche Kollegen fahren wegen Kleinigkeiten gleich aus der Haut: Suche nach einem Parkplatz, falsches Werkzeug im Einsatz, Arbeitsvorgang beim Einbau muss wiederholt werden, Arbeitsunterbrechung durch Firmenanruf, zum dritten Mal zum Auto laufen, um Werkzeug zu holen. Auch wenn der Kunde den Wutausbruch nicht mitbekommt, das Arbeitsklima könnte darunter leiden.
Der Ärger des Kollegen
Spontane Kraftausdrücke sind normal. Bei einem Shit-Storm spricht jeder ungefiltert, später bedauert er das, möchte nicht daran erinnert werden. Fluchen kann deinen Kollegen – oder auch dich - sogar erleichtern. Wer sich kräftig den Zeh anstößt oder den Finger bei der Arbeit einklemmt, lässt mit einem „Fuck“ Dampf ab. Kann das nicht jedem passieren? Die Fäkaliensprache ist typisch beim Fluchen. Arbeitsmediziner meinen: „Fluchen macht den Körper sogar leistungsfähiger, weil Stresshormone ausgeschüttet werden und der Blutzuckerspiegel dabei steigt.“ Fluchen wirkt im Moment aggressiv, aber danach erfolgt die Entspannung. „Sind deine Spannungen abgebaut, bist du ausgeglichen“.
Der friedliche Kollege Markus, beliebt und im Team voll integriert, rastet aus, wenn ihm was nicht passt, z.B. die Arbeitseinteilung des Chefs, Terminverschiebung trotz exakter Planung oder Sonderwünsche des Kunden. Dabei ist der Unterschied wichtig: Richtet sich der Fluch gegen eine Sache oder gegen eine Person? Du kannst dich daran gewöhnen, dass jemand im Team unbeherrscht ist: „Der ist halt so, aber sonst ganz o.k.“. Willst du den Kollegen, der tobt verstehen, musst du seinen Standpunkt einnehmen. Einen Wutausbruch, für den du kein Verständnis hast, wirst du auch von einem lieben Kollegen nicht hinnehmen. Ausrasten ist nicht gerade ein Zeichen von Disziplin, denn wer laut ist, hat die Kontrolle über sich verloren. Beruhige deinen Kollegen. Besser, du gibst im Recht für seine Aufregung, für seine Reaktion, wenn etwas nicht klappt: „Da würde ich auch ausrasten, wenn mir das passiert.“ Allerdings – gibst du ihm Recht, wird er jedes Mal zu dir kommen und sich abreagieren.
Verlorene Gelassenheit hängt nur selten mit einem einzelnen Fall zusammen, sondern ist die Folge mehrerer Ereignisse, bei denen sich eine negative Stimmung aufbaut, die man nicht mehr im Griff hat. Irgendwann genügt der bekannte Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Ärger hängt mit einer Erwartungshaltung zusammen.
Die Frage ist, wie du dich verhältst, wenn der Topf beim Kollegen schon wieder kocht. Du darfst ihn nicht kritisieren. Statt mit Appellen zu reagieren, z.B. „Reg dich doch nicht so auf“, „Bleib doch mal auf dem Teppich“, „Mach mal halblang“ ist es besser, Fragen zu stellen: „Was bringt die ganze Aufregung“? Den aufgebrachten Kollegen beruhigt man am besten mit Fragen, und zwar direkt nach der Aufregung. Offene Frage, die mit einem W-Wort beginnen, führen zur Nachdenklichkeit. Beispiel: „Was erreichst Du mit deinem Wutausbruch“. Unterstelle ihm positives Reagieren. Beispiel: „So wie ich dich einschätze, bist du doch immer gelassen, auch wenn mal was nicht passt, oder?“
Allerdings gibt es auch völlig andere Meinungen: „Lass ihn doch schimpfen, das dauert nicht lange, Hauptsache, er hat sich abgeregt.“ Für den Typ Choleriker trifft das tatsächlich zu. Er ist sofort auf Hundert und genauso schnell wieder bei null. Er reagiert sich ab und ist dann wieder friedlich. Ein permanenter Vulkanausbruch ist schon nervig für die Kollegen, vor allem wenn die Nachwirkung von Wut lange andauert. daher sollte jemand aus dem Team reagieren.
„Wenn Du Dich ärgerst, denk daran, der Ärger ist ein blödes Vieh. Er fängt am falschen Ende an und frisst nur Dich – den Anlass nie.“ (Karl-Heinz Söhler, dt. Publizist)
Der eigene Ärger
Es gibt immer wieder Anlässe, sich zu ärgern. Und es gibt Tage, da kommt alles auf einmal. Es kommt eben auch darauf an, wie man eine Situation bewertet, wie man selbst souverän und ruhig bleibt. Wer hohe Erwartungen mit hohen Ansprüchen hat, ärgert sich, wenn etwas schief läuft. Ärger gehört zu den negativen Gefühlen, die sehr nachhaltig sind im Vergleich zu positiven Gefühlen, die man schnell als selbstverständlich abhakt. Damit man dem Ärger nicht völlig ausgeliefert ist, muss man ihn früh erkennen und ihn gleich bearbeiten. Du solltest dich schon in einem frühen Stadium des Ärgers entscheiden, wie du damit umgehst. Beginnt Ärger und Wut denk an die Atemtechnik: 4-7-11 heißt, dass du vier Sekunden einatmest, sieben Sekunden ausatmest und das elfmal.
Bei Ärger entwickelt man viel Energie, die leider nicht produktiv genutzt wird. Viel besser ist es die Energie, die im Ärger steckt, für einen Ausweg zu nutzen. Die Gewohnheit, negative Gefühle herunterzuschlucken, hat sich nicht bewährt. Zwischen dem freien Ausleben deines Ärgers und dem Herunterschlucken und Verdrängen gibt es eine Alternative: du entscheidest dich ganz bewusst für Gelassenheit. Statt sich mit der Ursache des Ärgers zu beschäftigen, denkst du über deine eigenen Gefühle nach. Einen Gefühlsausbruch kann man vermeiden, wenn man den Verstand einschaltet wie einen Lichtschalter.
Steckt eine Person hinter dem Ärger, darf es nicht zu Vorwürfen und Kritik kommen. Um die Situation zu entspannen, kann ein Gespräch mit dem „Täter“, der sich oft nicht bewusst ist, was er da angerichtet hat, helfen. Dabei ist die Ich-Botschaft von Vorteil: „Ich bin überrascht, dass du gerade mir Vorwürfe machst.“ Das hört sich anders an als „Du hast kein Recht, mir Vorwürfe zu machen“. Deine Du-Botschaft wirkt vorwurfsvoll, der Kollege setzt sich zur Wehr. Die Ich-Botschaft bezieht sich auf die eigene Meinung und führt eher zur Nachdenklichkeit des „Täters’“. Das macht ein totales Umdenken erforderlich, wenn du es gewöhnt bist, in der Du-Botschaft zu sprechen.
Bewältigung von Ärger
Die Aussprache
Hilfreich ist es, mit jemandem über den Ärger zu sprechen, statt den Ärger in sich hineinzufressen. Die Aussprache öffnet das Ventil, das befreit. Wenn man spricht, darf man den Tatbestand gerne etwas übertreiben – Hauptsache man spricht sich alles von der Seele. Man sollte das aber auf ein bis zwei Minuten begrenzen, sonst steigert man sich noch in die Sache hinein und belästigt andere.
Der Ausblick
Die Beherrschung über den Ärger kann man auch mit der Methode Ausblick vornehmen.
Dabei überlegt man, was der augenblicklich Ärger noch in einer Woche bedeutet. Wahrscheinlich hat er keine Bedeutung. Und warum solle man sich jetzt über etwas ärgern, wenn feststeht, dass der Ärger später bedeutungslos ist? Bei kleineren Pannen ist der Ausblick aber eine gute Methode. Dann klickt man gedanklich einfach auf „löschen“ wie beim Computer.
Der Ausgleich
Konzentriere dich auf deine Erfolge! Denke an erfreuliche Erlebnisse länger nach als an negative. Bist du nicht immer mit Problemen klargekommen? Es kommt es auf den Blickwinkel an, mit dem du etwas wahrnimmst. Dann bist du mental gut gerüstet für den Alltagsfrust. Gleiche Negatives mit Positivem aus. Wie oft hast du schon Schwierigkeiten gemeistert? Es gibt mehr Erfolge als Misserfolge. Es gibt mehr angenehme Arbeiten als unangenehme. Es gibt mehr Pünktlichkeit als Terminverzögerungen. Es gibt mehr gute Tage als schlechte.
Die Exit-Strategie
Diese „Exit-Strategie“, die Notbremse, verhindert, dass das Fass zum Überlaufen kommt. Es ist der Ausgang aus der Arena des Ärgers. Durch die Taste „Ende“ oder „Stopp“ steigst du aus der negativen Gedankenwelt aus.
Warum über einen einzelnen Fall aufregen, wenn alles andere gut läuft, die meisten Kunden pflegeleicht und angenehm sind? Warum über einen Fall ärgern, wenn es sich um einen Einzelfall dreht? Positive Gedanken führen zur richtigen inneren Einstellung. Es hilft, länger an erfreuliche Situationen zu denken als an negative. Positives muss ins Langzeitgedächtnis, um mental gerüstet zu sein für den Alltagsfrust.
1 Verlorene Gelassenheit hängt selten mit einem einzelnen Fall zusammen, sondern ist die Folge mehrerer Ereignisse, bei denen sich eine negative Stimmung aufbaut.
2 Ärger gehört zu den negativen Gefühlen, die sehr nachhaltig sind im Vergleich zu positiven Gefühlen.
3 Steckt eine Person hinter dem Ärger, darf es nicht zu Vorwürfen und Kritik kommen.
Bild: ChatGPT/SBZ Monteur
Wie gehst du mit deinem Ärger um
Deine Reaktion auf einen wütenden Kollegen