Es ist normal, wenn du dich mit deinen Kollegen, vor allem mit Gleichaltrigen, vergleichst. Fällt die Bilanz für dich schlecht aus, könntest du dich unterlegen fühlen. Eifersucht entsteht, wenn du bei schwierigen Arbeiten nicht so schnell weiterkommst, während dein Kollege alles spielend leicht schafft und er deswegen noch angibt. Du hast auch Kollegen, denen ist nicht so richtig bewusst, dass sie besser sind als andere oder sie möchten gar nicht beneidet werden. Vergiss nicht, dass der Kollege, der Beneidete, viel getan hat, um seine Fähigkeiten zu entwickeln, um das zu erreichen, wofür er beneidet wird. Viellicht bist du nicht der Einzige, der ihn beneidet. Es gibt zwar auch Glückspilze, aber viele haben sich technisches Know-how und Fachkompetenz hart erarbeitet. Neid entsteht, wenn du dich durch das Verhalten deines Kollegen zurückgesetzt fühlst. Dein Chef kann sich daran beteiligen, wenn der den Beneideten erkennbar bevorzugt, ihn wegen seiner Leistung als Perfektionisten und Vorbild bezeichnet. Dem Beneideten kann das sogar peinlich sein, er lehnt die Bevorzugung ab. Ist dem Chef sein Verhalten nicht bewusst ist, hilft nur eine offene Aussprache, zunächst mit dem Betroffenen, später mit dem Arbeitgeber.
Neid verstärkt sich, wenn der Kollege „Alleskönner“ bewusst als Schlauberger und Wichtigtuer auftritt, um Beachtung von Kunden oder seinem Chef zu erhalten. Du hast Kollegen, die haben das Talent, immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sich sogar vor zu drängen. Wenn es dann mal nicht bei ihm klappt, kommt Schadensfreude bei dir und im Team auf. Die Situation kann sich verschlimmern, wenn der Beneidete dann von dir ausgegrenzt wird.
Das Verhalten
Grund für Neid sind versteckte Wünsche. Neid weist darauf hin, dass dir etwas fehlt, was der Kollege hat, z. B. die Beachtung von anderen, das bessere Auto, schlagfertiges Auftreten, Beliebtheit, Aussehen und mehr Fachwissen. Neid gibt es auch im Privaten, wenn z. B. dein eigener Bruder der Lieblingssohn deiner Eltern ist. Neid gehört zum beruflichen und privaten Leben, ist keine Krankheit, sondern Leistungstreiber im Beruf. Und auch beim Fußball entsteht Leistung durch Neid. Soll man darüber sprechen? Ganz offen sagen: „Entschuldige bitte, ich beneide dich wegen deiner Leistung“? Damit hat man das eigene Gefühl in den Griff bekommen, der Beneidete fühlt sich anerkannt. Anerkennung erhöht sein Selbstwertgefühl, kann aber auch Arroganz verursachen.
Für den Neider gibt es zwei Reaktionsmuster: Das eine kehrt sich nach innen, er sieht nur das, was ihm noch fehlt und entwertet sich damit selbst. Das andere Muster geht nach außen, d.h. der nach außen gerichtete Neid führt zu Sticheleien, zu Kritik und Provokationen dem Kollegen gegenüber. Dein Neid auf andere ist nicht grundsätzlich schlecht, er kann dich anspornen, du entwickelst Ehrgeiz, den es ohne Neid nicht gegeben hätte. „Positiver Neid“ soll den Kollegen nicht zerstören, sondern bei dir einen Motivationsschub auslösen.
Dein Vergleich mit einem Kollegen ist immer auch ein Prozess der Wahrnehmung. Dabei kommt es zu Fehlern. Vom Überstrahlungseffekt spricht man, wenn du von einem positiven und auffälligen Merkmal, z. B. hohes Arbeitstempo des Kollegen auf andere Leistungsmerkmale schließt, wie auf Gründlichkeit, Zuverlässigkeit. Ein Merkmal überstrahlt bei dir alle anderen Wahrnehmungen. Wilhelm Busch meint: „Kaum hat mal jemand ein Bisserl was, gleich gibt es welche, die ärgert das.“ Chronische Neider sind doppelt schlimm dran, sie ärgern sich nicht nur über das, was ihnen noch fehlt, sondern auch über das, was ein Kollege besser kann.
Der Neid
Der erste Schritt ist es deine eigenen Emotionen in einem frühen Stadium differenziert wahr zu nehmen. Neidgedanken sollten schon beim Entstehen erkannt werden, damit du schnell darauf reagieren kannst. Es ist wie beim Autofahren, wo du bei geringem Tempo schnell anhalten kannst.
Du kannst dich nur beeinflussen, wenn du den Neid bewusst erkennst und deinen Verstand mit dem Appell beauftragst, die Situation zu checken. Wenn du deine Gefühle verdrängst, werden sie später wieder kommen und sich festsetzen. Lass deine Gefühle zu, versuche sie zu verarbeiten, indem du gerade mit dem Beneideten gutstehst. Warum willst du über eine beneidenswerte Eigenschaft des Kollegen nicht sprechen? Aussprache schafft Klarheit und entlastet. Für dich ist die sogenannte Selbstkommunikation wie eine Befreiung: Du gibst dir selbst die Anweisung, den augenblicklichen Neid zu akzeptieren und dann zu hinterfragen. Man nennt das Chair-Person-Prinzip, wenn du das Gefühl Neid beherrschst. Da Neid ein Mangelgefühl ist, (der Kollege hat etwas, was mir fehlt) musst du für einen gedanklichen Ausgleich sorgen: Wo liegen meine eigenen Stärken? Wie kann ich sie weiter entwickeln? Was muss ich tun, damit andere das erkennen?
Frag dich immer, wie wichtig die Sache ist, die dich neidisch macht, und mit wem du dich vergleichst. Manche Gedanken sind nicht realistisch. Der ältere Kollege spielt mit seiner Erfahrung in der ersten Liga, da kommst du später auch rein. Neid ist kein Grund sich zu schämen, für dich ist es viel wichtiger, ihn zu verarbeiten. Akzeptiere den Neid, vielleicht ist der Beneidete selbst auf eine deiner Eigenschaftenneidisch, mit denen du dich auszeichnen kannst. Nur spricht er nicht mit dir darüber – das wäre für dich eine Erleichterung. Wenn man den Beneideten angemessen bewundert, verbessert sich die Beziehung zu ihm. Es heißt, die Nähe zum Beneideten zu suchen, nicht auf Distanz zu gehen.
Deine Gedanken
Fakt ist, die richtige Einstellung bei Neid bekommst du nicht im Internet. Meist führt der Neid zu negativem Denken und Pessimismus. Jeder negative Gedanke zieht meist weitere negative nach sich. Ist der erste Gedanke negativ, löst man geradezu eine Kettenreaktion aus. So wie sich eine Spirale mit dem nötigen Schwung nach oben oder nach unten dreht, so entwickeln sich deine Gedanken zwangsläufig zum Plus- oder Minus-Denken.
Positiv denken heißt nicht, krampfhaft danach zu suchen, was bei Neid so positiv ist. Es kommt nicht darauf an, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, sondern wie man die Situation sieht und sich dabei fühlt. Sich selbst zu akzeptieren ist wichtig für das Selbstbewusstsein und für positives Denken. Was bist du dir selbst wert? Ein gutes Selbstwertgefühl entsteht durch deine mentale Stärke. Defizitdenken hilft nicht, sondern verunsichert und blockiert positive Gedanken.
Mach mal Selbstreflektion
Es gibt immer irgendeinen Kollegen, der etwas besser kann, schneller arbeitet, mehr weiß und sich selbst besser verkauft. Wer sich mit diesem Arbeitskollegen vergleicht, stellt eigene Defizite fest, die nicht schnell zu beseitigen sind. Besonders ehrgeizige Mitarbeiter, die immer mehr erreichen wollen und hohe Ansprüche an sich selbst haben, kritisieren sich selbst. Unzufriedenheit und Schwarzmalerei sind die Folgen. Wer sich immer nach den Besten im Team richtet, setzt sich selbst unter Druck. Selbstreflexion eröffnet ganz neue Potenziale, die eigene berufliche Zukunft nachhaltig zu beeinflussen. Nur wer sich selbst kennt, über seinen Zustand informiert ist, kann eine Verhaltensänderung vornehmen, Ziele neu definieren. Bei Selbstreflexion stellt man sich die Frage, wo man steht und was man erreichen will unabhängig von anderen.
Erlaube dir so zu sein, wie du bist. Das ist ehrlich und vereinfacht vieles. Einerseits hast du, wie jeder eine schwächere Seite. Andererseits kannst du mit deinen Stärken punkten und wirst selbst von anderen beneidet.
1 Neid weist darauf hin, dass dir etwas fehlt, was der Kollege anscheinend hat.
2 Nur wer sich selbst kennt kann eine Verhaltensänderung vornehmen und Ziele neu definieren.
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